"Drive"-Autor James Sallis im Interview:"An dem Film mitarbeiten? Auf keinen Fall"

SZ: Haben Sie so eine Stimme in "Drive" untergebracht?

Sallis: Das Buch beginnt mit der Stimme. Man hört sofort den Driver sprechen, sieht die Welt mit seinen Augen, obwohl ich es nicht in der ersten Person geschrieben habe. Das ist extrem wichtig, nur dadurch entsteht die Dringlichkeit, das Band, das den Leser an die Geschichte fesselt.

SZ: Haben Sie vermutet, dass "Drive" so ein Erfolg wird?

Sallis: Gott, nein. Das Buch wurde von den meisten New Yorker Verlagen abgelehnt. Wie die sich jetzt ärgern!

SZ: Wieso abgelehnt?

Sallis: Es war zu kurz. Und zu seltsam. Also hat es ein Freund von mir verlegt, wir dachten, es steht ein bisschen im Regal herum und fällt dann in den üblichen Abgrund. Aber wir mussten erstaunlich schnell nachdrucken. Dass wir die Kinorechte verkaufen würden, haben wir trotzdem nicht geglaubt.

SZ: Haben Sie am Film mitgearbeitet?

Sallis: Ich wollte auf keinen Fall mitarbeiten. Sobald ich ein Buch beendet habe, war ich lang genug in dieser Welt. Ich will nicht dahin zurückkehren. Außerdem wurde Hossein Amini als Drehbuchautor engagiert, und damit war ich sowieso glücklich. Hossein, Ryan Gosling und Nicolas Refn zogen zusammen in ein Haus in Los Angeles und schrieben an dem Drehbuch.

SZ: Angeblich sind die drei nächtelang zusammen mit dem Auto durch die Stadt gefahren. Haben Sie so etwas auch für "Drive" getan?

Sallis: Nein, ich bin gar kein großer Autofahrer.

SZ: Woher wissen Sie dann all die Details, die in "Drive" stehen?

Sallis: Ich kenne viele Cops, und meine Frau hat einen alten Freund, der ist Testfahrer. Wenn ich etwas wissen will, muss ich bloß anrufen.

SZ:Die Figuren Ihrer Bücher sitzen gern an öffentlichen Plätzen herum und belauschen die Passanten. Machen Sie das auch?

Sallis: Wenn man anfängt zu schreiben, denkt man, es käme auf den Inhalt eines Satzes an. Später denkt man, die Wortwahl sei besonders wichtig. Tatsache ist, es hängt alles am Rhythmus. Wenn Menschen normal reden, sprechen sie in Fragmenten. Sie lassen Substantive aus, oder Verben, oder sie heben die Stimme bei jedem dritten Wort. So etwas höre ich auf der Straße und übertrage es in meine Bücher. Das ist nicht einfach. Ich überarbeite jeden Satz in einem Buch dreißig oder vierzig Mal, insbesondere den Dialog.

SZ: Wie lang brauchen Sie, um ein Buch zu schreiben?

Sallis: Früher ging das in sechs Monaten. Jetzt muss ich nicht mehr ganz so schnell sein. Außerdem unterrichte ich an einem Community College, das kostet ähnlich viel Energie wie das Schreiben. Ich kann also nicht mehr so manisch schreiben wie früher. Aber "Driven", die Fortsetzung von "Drive", habe ich in guten zwei Monaten geschafft.

SZ: War diese Fortsetzung Ihre Idee?

Sallis: Nein, Hollywood hat nachgefragt. Zuerst war ich ungnädig und habe gesagt, ich sei Künstler, ich schriebe keine Fortsetzungen, aber dann stieg ich von meinem hohen Ross herunter, und das Buch entstand wie von selbst. Es ist ja nicht so, dass meine anderen Bücher nicht in Fortsetzung gegangen wären, es gibt sechs Romane mit Lew Griffin.

SZ: Es wird also noch einen Film über den Driver geben?

Sallis: In Hollywood bewegen sich Entscheidungen mit dem Tempo eines Gletschers. Ja, Nick Refn ist interessiert. Natürlich habe ich das fertige Manuskript sofort abgeliefert. Aber wird es einen Film geben? Wir können nur hoffen.

© SZ vom 26.05.2012/cag
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