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Dresden:Al-Sisi bekommt Semperopernball-Orden wieder aberkannt

Abdel Fattah Al Sisi

Al-Sisi bei einer Rede vor den Vereinten Nationen in New York.

(Foto: AP)
  • Der Dresdner Semperopernball-Verein nimmt eine Auszeichnung an den ägyptischen Präsidenten Al-Sisi wieder zurück.
  • An der Auszeichnung gab es von mehreren Seiten Kritik.
  • Die Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers sagte die Moderation des Balls wegen der Verleihung des Ordens an Al-Sissi ab.

Der Dresdner Semperopernball-Verein macht die umstrittene Verleihung seines St. Georgs Ordens an Ägyptens Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi rückgängig. Die Auszeichnung werde ihm wieder aberkannt, das habe Ballchef Hans-Joachim Frey nach einem Treffen mit Rocksänger Peter Maffay entschieden, sagte Pressesprecher Holger Zastrow der Deutschen Presse-Agentur. Darüber hatte zuerst das Portal saechsische.de berichtet.

Maffay, der für den Mitternachts-Act beim Ball gebucht ist, hat auf die Aberkennung bestanden. Angaben dazu, wie das erfolgen soll, machte Zastrow nicht. Frey hatte den die Verleihung des Ordens bislang mit einem Hinweis auf das Motto der Medaille verteidigt. Es lautet Adverso Flumine", gegen den Strom.

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Die Ehrung von Al-Sisi, der nach einem Militärputsch an die Macht kam und hart gegen Kritiker und Oppositionelle vorgeht, als "Hoffnungsträger und Mutmacher eines ganzen Kontinents", "Brückenbauer und Friedenstifter" vor gut einer Woche in Kairo hatte Empörung und Protest ausgelöst. Der Dresdner Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn von den Grünen erklärte sagte, es sei beschämend, die Menschenrechtsverletzungen al-Sisis auszublenden. In Ägypten würden Oppositionelle, Aktivisten und Journalisten inhaftiert und entführt, erklärte Kühn weiter. Die Zahl der Hinrichtungen sei in den letzten Jahren stark gestiegen. Unter diesen Eindrücken stelle sich die Frage, für welche Werte der Semper Opernball stehe.

Moderatorinnen sagten ab

Die als Co-Moderatorin engagierte Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers bat wegen der Verleihung erfolgreich um die Auflösung ihres Vertrags. An ihrer Stelle sollte die Brisant-Moderatorin Mareile Höppner übernehmen, doch sie sagte ebenfalls ab. Höppner sah sich mit Hass und Drohungen konfrontiert. Der MDR verurteilte die verbalen Angriffe scharf, hielt jedoch an der geplanten Übertragung des Ereignisses fest. Auch Schlagersänger Roland Kaiser distanzierte sich, entschied sich nach der Entschuldigung von Ballchef Frey aber doch, durch den Abend zu führen.

Nach Absagen von Preisträger und SAP-Gründer Dietmar Hopp und Fußballmanager Uli Hoeneß als Laudatoren hatte der Ballverein erklärt, dass es diesmal keine weiteren Ehrungen geben und komplett auf die Ordensverleihung verzichtet werde. Zu den früheren Preisträgern zählen - in unterschiedlichen Kategorien - José Manuel Barroso, Roman Herzog, Martin Winterkorn, Miroslav Klose und Gérard Depardieu.

© SZ.de/dpa/jael
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