Dortmund und das Museum Ostwall Diese Stadt ist mehr als nur Borussia

Dortmund wollte einen Investor das frühere Museum Ostwall schleifen lassen. Nun, hoffentlich nicht zu spät, regt sich bürgerschaftlicher Widerstand. Kehrt jetzt Vernunft ein?

Von Georg Imdahl

Der älteste Profanbau, den die Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs der Innenstadt von Dortmund gelassen haben, stammt aus dem Jahr 1875. In das ehemalige "Königliche Oberbergamt" zog im Jahr 1947 das "Museum am Ostwall", die erste museale Neugründung in Deutschland nach dem Krieg, die sich bald international einen Namen machte. Dafür bürgten das Engagement für die Moderne und die hauseigenen Bestände von Expressionismus und Fluxus. Erbaut wurde das Haus durch den Berliner Architekten Gustav Knobloch, einen Repräsentanten der Schinkelschule.

In seiner heutigen Gestalt spiegelt das Dortmunder Gebäude die Architekturgeschichte im Revier: Von seinen gründerzeitlichen Fassaden künden noch die erhaltenen Segmentbogenfenster, die in den 1950er Jahren so nicht mehr gebaut worden wären. Damals hatte man die beiden oberen Etagen abgetragen, um eine Ausstellungsfläche von realistischer Größe und Oberlicht für die Kunst zu gewinnen.

Dann kam die Europäische Kulturhauptstadt 2010 in den Ruhrpott. Dem Ostwall-Museum wurde ein Kulturbegriff "neuen Typs" verpasst und der Umzug in ein "Zentrum für Kunst und Kreativität" verordnet. Der Weg führte ins ebenfalls traditionsreiche, aber totrenovierte "Dortmunder U", eine eigentlich imposante backsteinerne Brauerei-Architektur am Hauptbahnhof, die nach der Herrichtung jedoch innen wie außen den Charme eines belanglosen Verwaltungsbaus hat. Der Neustart trägt für das Museum tragische Züge: Seine Existenz in der lebensvollen Architektur am Ostwall ist ein für allemal vorbei.

Als hätte es die IBA nie gegeben - die Internationale Bauausstellung, die dem Ruhrgebiet neue Optionen für altes Gemäuer erschlossen hat -, konnte in Dortmund ein Plan reifen, den der Rat der Stadt 2012 bestätigte. Das verwaiste Museum mit seinem originalen Lichthof - er ließ sich in zwei Weltkriegen nicht kaputtkriegen - sollte an einen Investor vermacht werden. Der es dann, wegen der guten City-Lage, plattgemacht hätte.

Nun, hoffentlich nicht zu spät, regt sich bürgerschaftlicher Widerstand. Eine Initiative hat 8000 Stimmen gesammelt, Promis wie der Dortmunder "Tatort"-Kommissar Jörg Hartmann wettern gegen die drohende Zerstörung. Die am 25. Mai anstehenden Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen scheinen segensreiche Wirkung zu haben: Jedenfalls spricht sich dieser Tage keiner der lokalen Spitzenkandidaten mehr für einen Verkauf der Liegenschaft aus. Sie haben, und das immerhin ist erfreulich an dieser Geschichte, offenbar gelernt, dass die Schleifung des Dortmunder Pionierbaus vielleicht doch nicht der Königsweg für die Stadt darstellt, schon gar nicht für die Außenwirkung, die nicht allein der Borussia überlassen werden kann. So hat sich jüngst auch der Oberbürgermeister, seines Zeichens Raumplaner, für den Erhalt ausgesprochen.

Gewiss, das frühere Ostwall-Museum ist kein Wahrzeichen des Reviers. Aber doch ein identitätsstiftendes Stück Dortmund, das an solchen architektonischen Zeitzeugen arm ist. So darf man hoffen, dass der Rat bei seiner nächsten Sitzung am 10. April das auch so sieht. An Ideen für eine weitere Nutzung mangelt es nicht, auch nicht an kuriosen wie einem Museum für die Sammlung Gurlitt. Ein vielversprechender Interessent steht dagegen mit dem Bauarchiv NRW bereit. Jüngster Zuwachs des Archivs ist der Nachlass des renommierten Architekten Josef Paul Kleihues - er hatte einst die Dortmunder Architekturtage begründet.