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Spaßattraktion zwischen North und South Carolina: In South of the Border wird im Zeichen des Sombrero gefeiert, verkauft und gegessen.
Spaßattraktion zwischen North und South Carolina: In South of the Border wird im Zeichen des Sombrero gefeiert, verkauft und gegessen. EWYMedia / Imago/ Deposit

Trumps Katastrophenpolitik lässt inzwischen sogar gläubige Jünger eidechsenartig erstarren. Wer kann, nimmt Abstand – und fährt zum Beispiel nach South of the Border, wo Amerika klischeelustig auf Mexiko macht.

Von Hilmar Klute

Ich habe dieses Jahr nicht nachgeprüft, wo Donald Trump seinen Spring Break verbringt. Immerhin weiß ich, wie er ihn verbringt, nämlich mit täglicher Katastrophenpolitik, deren negative Resonanz bei Trump wiederum nächtliche Wutausbrüche gegen jene Leute zündet, die Trumps Katastrophenpolitik Tag für Tag analysieren. Das sind zum einen die Journalisten, jene Berufsgruppe also, die Trump am liebsten mitsamt der iranischen Zivilisation einem spektakulären Ende zuführen möchte. Andererseits braucht er die Journalisten ja auch, um seinen Größenwahn und seinen Narzissmus, die beiden Grundgesetze seiner inneren Verfassung, in die Welt zu senden. Aber auch seine eigenen Leute beschleicht die dunkle Ahnung, dass sie, wenn sie sich im Situation Room aufhalten, einem inzwischen mehr als auffälligen Präsidenten gegenübersitzen.

J. D. Vance, der kajaläugige Pharisäer, ist noch schnell nach Ungarn gereist, als Donald Trump den finstersten Satz seiner an finsteren Sätzen reichhaltigen Präsidentschaft der Öffentlichkeit übergeben hatte. Ich meine natürlich seine Ankündigung, es würde in Kürze eine ganze Zivilisation enden, weil er, der goldbronzene Gottseibeiuns der westlichen Welt, es so will. Tucker Carlson, der einst für Trump seine und jede Seele, deren er habhaft werden konnte, verkauft hatte, keifte ihm kürzlich per Podcast sein „Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“ entgegen. Viele Leute, die vor ein paar Wochen noch zu jedem der beknackten Witze Trumps in die Knie gegangen sind, räuspern sich verschämt und sagen bestenfalls ein paar artige Finsterlingsprüche zur Undankbarkeit der Nato und sehen ansonsten zu, dass sie möglichst selten mit dem Nero von Mar-a-Lago in der Öffentlichkeit zu sehen sind. Es ist merkwürdig, wie eidechsenartig manche einstige Trumpianer seit einer Woche erstarrt sind. Selbst seine wikingerhörnigen einstigen Jünger, die bis vor Kurzem noch für Trump jede amerikanische Institution, die nicht aus dem Golden Age stammt, geschleift hätten; sogar die Maga-Krieger würden Trump zur Hölle wünschen, wenn er nicht von dort hergekommen wäre.

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Spring Break, das sind die kleinen Frühlingsferien in den USA, und sie bieten eine feine Gelegenheit, Washington für eine gute Woche zu verlassen. Trump und sein exklusiver Plan, die USA im Iran-Krieg zu schreddern, begleiten einen ja sowieso überallhin, wo man Podcasts hören kann. Die schönsten Reizwörter lauten „Asskisser“ (Vance) und „Madman“ (Trump) – ich finde amerikanische Podcasts entschieden lustiger als die deutschen, wo die Leute erst ihre Wörter desinfizieren, bevor sie etwas sagen.

South of the Border sieht aus wie die Fantasie eines mexikanischen Anti-Trump

Wir sind fünf Stunden über die Interstate 95 gefahren, meine Kinder haben die geplatzten Reifen gezählt, die am Straßenrand lagen, ich habe ihnen die zuschanden gefahrenen Dachse, Waschbären und Füchse verschwiegen, die sie von der Rückbank aus nicht sehen konnten. Die Interstate ist, wie die Autobahn in Europa, eine Ausfallstraße ins Verderben, obwohl die Amerikaner ungleich menschlicher Auto fahren als die Deutschen – sofern man Autofahren und Humanismus in einen Atemzug legen möchte.

Wir blieben dann über Nacht in South of the Border, das aussieht wie die Fantasie eines mexikanischen Anti-Trump. Das größte Gebäude von South of the Border krönt ein gigantischer Sombrero, zu dem man mit einem Fahrstuhl hochfährt, um dann von oben auf die Interstate 95 zu schauen. South of the Border ist ein Spaßort zwischen North und South Carolina, eine sogenannte attraction, die ein übermütiger Großhändler namens Alan Schafer Anfang der 1950er-Jahre hier eingerichtet hatte. Man konnte damals kein Bier in den Restaurants und Läden von North Carolina verkaufen. Schafer soll deshalb ein Pappschild aufgestellt haben, auf dem in pinker Farbe verheißungsvoll „South of the Border Beer Depot“ geschrieben stand. Viele Menschen kamen hierhin, kauften Bier und wollten später auch etwas essen. Schafer baute deshalb eine Grill-Station, eine Tankstelle und ein Motel. In diesem Motel übernachteten wir. Bis spätabends rannte ein Bekloppter über den Parkplatz, der ständig herumschrie, als liefe er durchs Weiße Haus.

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Bei Tag ist South of the Border eine frühkapitalistische Parodie auf Mexiko. Als Maskottchen firmiert hier eine Figur namens Pedro, der Name ist überall zu lesen. Pedro ist ein Mexikaner mit winkeligem Schnäuzer, der Prototyp des Latinos, es gab auch schon kritische Stimmen, die den Geschäftsleuten hier Ressentiments vorwerfen. Aber in South of the Border wird gewissermaßen affirmativ im Zeichen des Sombrero gefeiert, verkauft und gegessen – das Restaurant heißt auch Sombrero, damit man keine Sekunde vergisst, dass man hier in einem auf die Grundmerkmale der mexikanischen Kultur heruntergerechneten Themenpark logiert.

Es gibt in South of the Border eine eigenartige Attraktion, die so etwas wie die Gegenwelt zum schnellen Gesamtamerika sein könnte: In einem sehr großen Schuppen, der von außen wie ein Souvenirladen aussieht, wird hier die angeblich größte Sammlung lebender Reptilien in den USA unterhalten. Man spaziert an tümpelartig angelegten Gehegen vorbei, in denen Alligatoren, Schildkröten und Krokodile wie eingefroren liegen und stehen – ein Alligator hält sein Maul offenbar seit Stunden geöffnet und verspielt damit seine Glaubwürdigkeit, ein lebendes Tier zu sein. Ein anderes Reptil wiederum öffnet, sobald man es betrachtet, für ein paar Sekunden ein Auge. Vermutlich ein Deal, den er mit der zoologischen Leitung eingegangen ist, um Gerüchten entgegenzublinzeln, hier sei alles ausgestopft und mausetot.

Meine Kinder fanden die mutmaßlich echten Alligatoren unsympathisch, entschieden sich im angrenzenden Souvenirbereich aber für die Gummihandpuppen, die einem Krokodilmaul nachgebildet waren und entsetzlich nach Gummi rochen. Es war gut und befreiend, bald wieder auf der Autobahn zu sein und den Podcast zu hören, in dem Anne Applebaum sagte, der amerikanische Präsident lebe in einer Welt, die nichts mit der unseren zu tun habe. Ich weiß nicht, in welcher Welt die blinzelnden Reptilien von South of the Border leben, und ob diese Welt mehr mit der unseren zu tun hat als mit der von Donald Trump. Als Grenzerfahrung finde ich es vollkommen hinreichend, einen halben Tag zwischen North und South Carolina zu verbringen.

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