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Dokumentation über Uli Hoeneß:Neue Sicht auf Uli Hoeneß

Seine Frau und seine beiden erwachsenen Kinder kommen im Film sympathisch unaufdringlich zu Wort. Allwissende Hoeneß-Fans werden solche Neuigkeiten zu schätzen wissen. Als Hoeneß-Kaumkenner hat es mich jetzt nicht so bewegt, dass der Fußballheld zum Frühstück seinem Hund gern ein Stück Leberkäs zusteckt. Ich habe mich eher an den alten Filmausschnitten mit dem Kumpel Paul Breitner in der Wohngemeinschaft ergötzt. Und ein bisschen begriffen habe ich, was das bedeutet, heutzutage Fußballmanager zu sein.

Respekt statt Genervtheit

Vor dem Film war mir Uli Hoeneß eigentlich egal. Der Kult um ihn hat mich eher genervt. Jetzt gehört er für mich zu den wenigen Geldmachern, vor denen ich Respekt habe. Auch weil er sein soziales Engagement so angenehm ehrlich begründet: Es macht ihm einfach Spaß, zu helfen. Wenn er beleidigt dreinschaut, gefällt er mir besonders. Am Besten natürlich, wenn er rüpelhaft wird und Fußball-Kollegen oder die eigenen Fans anschreit. Vorbildlich! Nachahmenswert! Wir etepetete Autoren sind viel zu vorsichtig und feige, um unsere Leser zu beschimpfen.

Es gibt Stimmen, die auch den Fußball mit seinen absurden Milloneneinkaufssummen als Finanzblase beschreiben und deren Platzen voraussagen. Dann könnte die Hoeneß-Story noch eine dramatische Wendung nehmen. Aber auch wenn die Krise den Fußball verschont, ist das Leben von Uli Hoeneß ein spannendes Stück. Wer schreibt es fürs Theater? Vorhang auf. Erstes Bild: König Uli sinnend am Seeufer. Und dann poltert er los.

Der Autor ist Schriftsteller und lebt in München, zuletzt erschien sein Buch "Aus dem Leben eines Lohnschreibers".

Attacke mit Herz, ARD, Samstag, 18.05 Uhr, und BR, 10. Jan., 21.45 Uhr.

© SZ vom 02.01.2010/aho

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