Dokumentation über Uli Hoeneß Held und Hund

Eine Dokumentation über den Bayern-Präsidenten zeigt: Auch wenn die Krise den Fußball verschont, ist Uli Hoeneß' Leben ein spannendes Stück.

Von Joseph von Westphalen

Beim silvesterlichen Warten auf das neue Jahr waren auch ein paar erlauchte Journalisten dabei. Als herauskam, dass einer vorab schon im Besitz eines Films war, der am heutigen Samstag in der ARD-Sportschau ausgestrahlt wird, formierte sich ein Männergrüppchen, das entschlossen zum Fernseher drängte.

Ungenierte Heldenverehrung: Eine Dokumentation über Uli Hoeneß zeigt den Bayern-Präsidenten als Shakespearekönig im Steppanorak.

(Foto: Foto: dpa)

Nach der kurzen gespannten Fernbedienungsteilsuchstille und den üblichen diskreten Schluck- und Verdauungsgeräuschen des DVD-Players kamen alsbald Rufe der Rührung aus der Zuschauerecke. Ich hatte die Wahl, als einziger Mann das Ereignis zu ignorieren und dämlich als mustergültiger Frauenversteher dazustehen, oder, nicht ganz so schlimm, mich zu meinen Geschlechtsgenossen zu gesellen und mir einen Film anzuschauen, bei dem ich normalerweise mangels der nötigen sportlichen Interessen auch beim wahllosesten Zappen nicht hängenbleiben würde.

Ungenierte Heldenverehrung

Es handelte sich um eine Dokumentation über Uli Hoeneß mit bisher unbekannten Einblicken in das Privatleben des ehemaligen Managers und jetzigen Präsidenten und grauen Eminenz des FC Bayern, oder "der Bayern", wie die Leute vom Fach sagen. Fußballfans und Klischees!

Der Film betreibt ungeniert Heldenverehrung. Uli Hoeneß, zunächst bengalisch beleuchtet, dann am den Ufer des Tegernsees, ein Shakespearekönig im Steppanorak, dazu eine markige Sprecherstimme. Mein Spotten wurde souverän überhört. Entweder macht Verehrung blind für Klischees, oder, und das ist wahrscheinlicher, das Klischee kann von Fußballfans ironisch genossen werden.

Das Pathos und die Sprüche von John Wayne oder Clint Eastwood als Wildwesthelden gehören ja auch zur Gattung des Western, und selbst der strengste Cineast macht sich nicht darüber lustig, sondern seufzt beseligt, wenn der Held in die Weite blickt.

Uli Hoeneß wird in diesen Tagen 58, ist also in den 1950er Jahren aufgewachsen und somit alt genug, um eine Kindheit mit rissigen Schwarzweißfotos und zunächst braunen Lederfußbällen vorweisen zu können - und einer "Eins" in "Leibeserziehung". Die Bilder des Schulsprechers Uli Hoeneß am Gymnasium, das Elternhaus in Ulm mit der kleinen Metzgerei und dem Partykeller als Glückszentrum der Pubertät können dann auch einen Fußballmuffel nostalgisch erweichen.

Der einst begnadet blitzschnelle Fußballer Hoeneß zeigte früh Managertalente. Der Vater war zwar ein guter Metzgermeister, der mühelos 500 wohlschmeckende Wiener Würstchen herstellen konnte, im Verkaufen aber war Uli schon als Kind geschickter. Die Anekdote dient im Film nicht der Verklärung, sie zeigt den angeborenen Geschäftssinn, mit dem Hoeneß nach dem frühen Ende seiner Karriere als Spieler den Fußball kommerzialisierte und seinen Münchner Verein zu einer beispiellosen Gewinnmaschine machte.