Dokumentarfilm:Wild Plants

Der Münchner Dokumentarfilmer Nicolas Humbert hat jahrelang Guerilla-Gärtner, Urban-Gardening-Aktivisten und Pflanzenphilosophen begleitet.

Von Martina Knoben

Unheimlich sieht er aus, dieser Mann im braunen Rentneranzug mit Hut, der nächtens durch die Stadt streift, in der einen Hand eine Plastiktüte, in der anderen eine Harke. Ab und zu hockt er sich an einen Grünstreifen, kratzt die Erde auf und gibt ein paar Körner hinein. Das gelbe Licht der Straßenlaternen könnte einen Horrorfilm illuminieren - tatsächlich ist dieser Mann ein subversives Element. Er ist der Guerillagärtner Maurice Maggi, der auf eigene Faust die Brachflächen von Zürich begrünt. Wenn man der Natur ihren Lauf ließe, sagt Maggi, wüchse in der Stadt in zehn Jahren ein Wald.

Es sind die Pioniergewächse, die den Regisseur Nicolas Humbert faszinieren - damit sind Pflanzen gemeint, aber auch die Menschen, die er porträtiert. Für seinen Dokumentarfilm "Wild Plants" (Verleih: Real Fiction) hat Humbert die "Urban Gardeners" im zusammengebrochenen Detroit besucht, den indianischen Philosophen Milo Yellow Hair, die innovative Landbau-Kooperative der "Jardins de Cocagne" in Genf und den "Samenbomber" Maggi in Zürich - alles Menschen, die mit Pflanzen leben. Der Wildwuchs, den er findet, gefällt Humbert auch politisch: Aus der Nische heraus soll das Ganze verändert werden - so machen es die Pionierpflanzen und so versuchen es auch die Mitglieder der Landbau-Kooperative, die eine Alternative zur industriellen Landwirtschaft aufzeigen wollen. "Wovon erzählen in dieser Zeit mit all ihren Zerstörungsszenarien, wenn nicht von Lebensmöglichkeiten?", erklärt der Münchner Humbert die Motive für seinen Film. Wer seine Protagonisten sind und was sie verbindet, begreift der Zuschauer erst nach und nach, wie die meisten Erkenntnisse in diesem Film erst reifen müssen. Seine Erzählung hat Humbert dem Sujet angepasst - die Pflanzen lehren nun mal Geduld. Dass nichts wirklich stirbt, alles sich immer nur in Verwandlung befindet, ist eine weitere Lektion des Gartens. Das klingt zunächst ziemlich wohlfeil und wird doch am Ende nachvollziehbar. Da erzählt eine junge Frau, wie sie durch die Gartenarbeit den frühen Tod der Mutter verarbeiten konnte - indem sie den Wert von Kompost erkannte.

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(Foto: PR)
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