Dokumentarfilm Gefühlte Wahrheit

Szenenbild aus Hubert Saupers Afrika-Dokumentation "We Come As Friends", die gerade den Werner-Herzog-Filmpreis gewonnen hat.

(Foto: Hubert Sauper)

Die wichtigsten Dokumentarfilmer folgen der Idee, ihre Bilder für sich sprechen zu lassen, ohne sie zu erklären. In der postfaktischen Gegenwart ist das ein gefährliches Kunstverständnis.

Von Tobias Kniebe

Was ein guter Dokumentarfilm ist, darüber können Filmemacher, Medienwissenschaftler und Kritiker endlos streiten. Eine seltsame Einigkeit herrscht allerdings bei der Frage, was ein schlechter ist. Seit Jahren gibt es da einen großen Konsens: Alles, was eine Kino-Dokumentation auch nur in die Nähe des Journalismus rückt, entwertet sie.

Wenn eine wichtige Filmkritikerin nach der Berlinale etwa erklären will, warum sie mit dem Golden Bären für Gianfranco Rosis Mittelmeer-Flüchtlings-Dokumentation "Seefeuer/Fuocoammare" nicht einverstanden ist, legt sie ihre ganze Geringschätzung in den Satz: "Das ...