Doku über Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi:Beltracchi der Handwerker

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Schön ist, wenn der Film sich auf den Handwerker konzentriert, der die Prozeduren seiner Arbeit erklärt, auf einem Trödelmarkt ein altes Bild erwirbt für ein paar Euro, dann zuhause die Farben abschabt und damit Originalmaterial vom Beginn des 20. Jahrhunderts gewinnt. Irgendwann aber fängt der Film an - mit allen Tricks, die man so auf den Filmhochschulen beigebracht kriegt, exquisite Einstellungswinkel, kleine Kamerafahrten -, Beltracchi als Künstler zu inszenieren.

Die Aura, die er so um den Maler legt, macht jedoch die dröge Spießigkeit deutlich, die er mit seinem Wirken, seinen Träumen verkörpert. Ein typisch deutsches Nach-68-Produkt. Und die Art, wie er von seinen Erfolgen spricht und von den immer noch unentdeckten Bildern, die von ihm in Museen und Sammlungen hängen, klingt unangenehm nach persönlicher Vendetta.

Beltracchis Fälschungen zielen auf das Zentrum des Kunstbetriebs, das singuläre Meisterwerk, die originale Schöpfung - Max Ernst erzählt von seinem Jungfräulichkeitskomplex vor der weißen Leinwand in einem Ausschnitt aus dem Film, den Peter Schamoni mit ihm machte. Max Ernst, dem Beltracchi besonders intensiv "nachgearbeitet" hat, Max Ernst, der mit seinen Collagen schon den traditionellen Autor-Begriff aushöhlte, mit seinen Qualitäten und seinen rechten, - so wie das Kino es tat von Anfang an. Wenn Helene sich für ein Beweisfoto zu einem Bild als ihre eigene Großmutter verkleidet, dann wirkt das so unbekümmert wie der Umgang des frühen Kintop mit Realität und Fake.

Sofia Komarova war mit an der Aufklärung des Campendonk-Bildes "Rotes Bild mit Pferden" beteiligt. In ihrer Galerie ist Licht und Luft, man sieht durch ein großes Fenster hinten auf die Straße. Sofia Komarova weiß sehr wohl, wovon sie spricht, von den dunklen Momenten aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts, von denen Campendonks Bilder imprägniert sind - die in den Beltracchi-Fälschungen eben fehlen. Den Blick dafür hat der Kunstbetrieb offenbar verloren.

Beltracchi - Die Kunst der Fälschung, D 2014 - Regie: Arne Birkenstock. Kamera: Marcus Winterbauer. Schnitt: Katja Drignenberg. Senator, 96 Min. In deutschen Kinos ab dem 6. März 2014.

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