Doku über Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi:Erfolg mit Leichtigkeit

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Kinostarts - 'Beltracchi - Die Kunst der Fälschung'

Wolfgang Beltracchi und seine Frau Helene Beltracchi.

(Foto: dpa)

Das Kino liebt krumme Hunde wie den selbstgefälligen Wolfgang Beltracchi, der Auktionshäuser und Experten ohne Probleme austrickste. Eine Dokumentation zeigt nun seine "Kunst der Fälschung".

Von Fritz Göttler

Ein bisschen gierig vielleicht, sagt Sofia Komarova, die Galeristin aus Genf, von dem Maler und Fälscher Wolfgang Beltracchi, und sie sagt es mit einem irgendwie französischen Charme, einer Leichtigkeit, in die eine Spur Verlegenheit gemischt ist. Ein bisschen gierig vielleicht . . . aber begabt und sensibel.

Sechs Jahre hat Beltracchi für seine Fälschungen bekommen, mit denen er den Kunstbetrieb aufmischte, Auktionshäuser und Kunstexperten austrickste und dabei eine ungehörige Selbstgewissheit und -gefälligkeit an den Tag legte. Vier Jahre bekam seine Frau und Komplizin Helene. In den Monaten zwischen dem Urteil und dem Antritt der Strafe und während des offenen Strafvollzugs, den sie absolvierten, ist der Film entstanden. Regisseur Arne Birkenstock ist der Sohn des Anwalts, der die Beltracchis in ihrem Prozess verteidigte

Kunstbetrieb ohne Sorgfalt

Die Leichtigkeit, mit der Beltracchi seine Erfolge erzielte, haben viele Betroffene verstimmt, verbittert, verwirrt. Aber gerade die Betrogenen sehen nicht wirklich gut aus in diesem Skandal, und nur wenige haben sich vor die Kamera getraut. Man möchte sich die Augen reiben, angesichts der Gier, der Skrupellosigkeit, der Leichtgläubigkeit des Kunstbetriebs, in dem es um Millionen geht, und der Weigerung, die nötige Sorgfalt in den Recherchen walten zu lassen. Wie ein schlechter Cowboyfilm, murrt der Kunstkritiker Niklas Maak über Beltracchis, des loners, Auftritt.

Dabei hat gerade das Kino die geringsten Probleme und die größten Sympathien mit Typen wie Beltracchi, es liebt die Outlaws und Rebellen, all jene, die die Schwächen einer Gesellschaft ausnutzen - sein Patron, sein Urvater ist der große Fantômas. In seinem Erinnerungsbuch hat Beltracchi seine wilde Jugend beschrieben, romantisch und pathetisch, als Genrestück. Im Film muss er sich nun direkt der Kamera erklären, das macht ihn schutzlos, auch wenn die Kamera - ab und zu wirft er ihr einen verstohlenen Blick zu - sein copain bleibt. Selbst der reinste aller Kunstfilme, "Le mystère Picasso" von Henri-Georges Clouzot - peinture vérité, Picasso live vor der Kamera mit sicherem Strich malend, als wäre seine Leinwand die des Kinos - hat, als er in Cannes uraufgeführt wurde, Zwiespältigkeit ausgelöst. Der Meister, monierte Truffaut, sei doch gezwungen, wie ein Varieté-Karikaturist zu agieren.

Beltracchi der Handwerker

Schön ist, wenn der Film sich auf den Handwerker konzentriert, der die Prozeduren seiner Arbeit erklärt, auf einem Trödelmarkt ein altes Bild erwirbt für ein paar Euro, dann zuhause die Farben abschabt und damit Originalmaterial vom Beginn des 20. Jahrhunderts gewinnt. Irgendwann aber fängt der Film an - mit allen Tricks, die man so auf den Filmhochschulen beigebracht kriegt, exquisite Einstellungswinkel, kleine Kamerafahrten -, Beltracchi als Künstler zu inszenieren.

Die Aura, die er so um den Maler legt, macht jedoch die dröge Spießigkeit deutlich, die er mit seinem Wirken, seinen Träumen verkörpert. Ein typisch deutsches Nach-68-Produkt. Und die Art, wie er von seinen Erfolgen spricht und von den immer noch unentdeckten Bildern, die von ihm in Museen und Sammlungen hängen, klingt unangenehm nach persönlicher Vendetta.

Beltracchis Fälschungen zielen auf das Zentrum des Kunstbetriebs, das singuläre Meisterwerk, die originale Schöpfung - Max Ernst erzählt von seinem Jungfräulichkeitskomplex vor der weißen Leinwand in einem Ausschnitt aus dem Film, den Peter Schamoni mit ihm machte. Max Ernst, dem Beltracchi besonders intensiv "nachgearbeitet" hat, Max Ernst, der mit seinen Collagen schon den traditionellen Autor-Begriff aushöhlte, mit seinen Qualitäten und seinen rechten, - so wie das Kino es tat von Anfang an. Wenn Helene sich für ein Beweisfoto zu einem Bild als ihre eigene Großmutter verkleidet, dann wirkt das so unbekümmert wie der Umgang des frühen Kintop mit Realität und Fake.

Sofia Komarova war mit an der Aufklärung des Campendonk-Bildes "Rotes Bild mit Pferden" beteiligt. In ihrer Galerie ist Licht und Luft, man sieht durch ein großes Fenster hinten auf die Straße. Sofia Komarova weiß sehr wohl, wovon sie spricht, von den dunklen Momenten aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts, von denen Campendonks Bilder imprägniert sind - die in den Beltracchi-Fälschungen eben fehlen. Den Blick dafür hat der Kunstbetrieb offenbar verloren.

Beltracchi - Die Kunst der Fälschung, D 2014 - Regie: Arne Birkenstock. Kamera: Marcus Winterbauer. Schnitt: Katja Drignenberg. Senator, 96 Min. In deutschen Kinos ab dem 6. März 2014.

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