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Doku "Mama illegal":Sieben Jahre Dauerbeobachtung

Produziert wurde das Werk von der Golden Girls Filmproduktion, sechs Kameraleute begleiteten Moschitz über die Jahre. Der Reporter kannte Aurica privat, er überredete sie, sich ihm anzuvertrauen, er machte für das ORF zuerst eine Reportage über ihr Leben und ihr Dorf, "Dorf ohne Mütter". Daraus wurde eine Dauerbeobachtung, sieben Jahre lang begleitete Moschitz drei Illegale aus Bologna und Wien durch ihr Leben und nach Hause.

Er war dabei, wenn die Frauen Klos putzten und verzweifelt weinten, weil sie keinen Tag frei bekamen, die Feiertage durcharbeiten mussten, nicht zum Arzt konnten. Raia, die in Bologna mehrere Jobs in 24 Stunden quetschte, um zu überleben, betreute unter anderem ein altes Ehepaar, deren Nichte war ihre Ansprechpartnerin. "Sie ist Richterin", sagt Raia. "Weil sie mich braucht, übersieht sie das Gesetz. Aber wenn ich etwas brauche, kennt sie die Gesetze sehr genau."

Moschitz war mit der Kamera dabei, als Natasa ihren Abschiebebescheid bekam und im Ausländeramt ohnmächtig wurde - sollten all die Entbehrungen umsonst gewesen sein? Er war dabei, wenn die Frauen ihre riesigen Plastiktaschen in den Bus nach Hause schleppten mit all dem Alltagskram des Westens, der im moldawischen Nirgendwo so viel wert ist wie ein Koffer voller Gold. Und er war dabei, wenn sie ankamen, sich in die Arme fielen mit all dieser Freude, dieser aufgesparten Liebe - und dem Schock. Wie sieht es hier aus? Warum ist all die Jahre so wenig repariert worden?

Die arbeitslosen Männer, die die Kinder großgezogen hatten, die doch selbst arbeiten wollten und nicht Brot backen, sie verstummen. Und die Kinder? Die konnten Mamas Gegenwart nicht so recht genießen, sie fuhr ja allzu bald wieder.

Eine der eindrucksvollsten Szenen ist jene, als die Kamera die Lehrerin durch ein Klassenzimmer begleitet. Die Kinder üben Gedichte für den Muttertag. Jedem Kind legt die Lehrerin die Hand auf den Kopf: "Maschas Mutter ist in Italien, Iras Mutter und Vater sind in England, sie lebt bei der Oma, Saschas Mama ist in Italien, Nastjas Mutter ist in Österreich, Mischas Mama und Papa sind in Deutschland . . .", so geht das dahin. Kaum ein Kind, das mit beiden Eltern aufwächst, kaum eines, das nicht bei der Nennung des Namens der Mutter oder des Vaters in Tränen ausbricht.

Moschitz hält sich mit einem Urteil zurück. Wer wollte beurteilen, ob der Preis zu hoch ist? Und vor allem: Wer im Westen wollte sich anmaßen, ein solches Urteil zu fällen - hier, wo das halbe Sozialsystem und die Privatwirtschaft nur mit illegalen Putzfrauen, Kindermädchen und Altenpflegerinnen überlebt?

Bei den alten Videos kommen die Tränen

Moldawien ist das ärmste Land Europas. Das Durchschnittseinkommen liegt bei etwas mehr als 100 Euro im Monat, eine mittlere Rente bei 15 Euro. Mittlerweile hat sich die Situation für Migranten entspannt. Da die meisten Moldawier rumänische Wurzeln haben, haben viele nun einen rumänischen Pass und können - zeitlich begrenzt - in die EU einreisen.

Aurica lebt inzwischen mal in Wien, mal in ihrem Heimatdorf. Mit dem in der Illegalität verdienten Geld hat sie das Haus auf Vordermann gebracht. Ist sie glücklich? Moschitz hält sich auch in dieser Frage diskret zurück. Und zeigt eine weinende Aurica, die alte Videos anschaut, damals waren die Kinder noch klein, der Mann lebte noch. Und sie war auf dem Sprung nach Westen.