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Dok.fest:Auf dem Sprung in ein abgeschottets Europa

Hält Europa die Flüchtlingsbilder nicht mehr aus? Auf dem Dok.fest muss der Zuschauer: "Les Sauteurs" zeigt das Abenteuer von Flucht, den Tod eines Freundes - und ein lustloses Europa.

Man hört dieser Tage öfter den Satz: "Diese Bilder müssen wir aushalten." Gemeint sind Bilder von leidenden Menschen hinter Stacheldraht an den Grenzen eines Europas, das sich immer mehr abschottet. Aushalten, das heißt, nicht hinschauen und helfen, sondern sich abhärten, am besten: gar nicht erst hinschauen. Was in dieser Aussage mitschwingt, ist verheerend: Will man gar überhaupt keine Bilder mehr in Europa, jedenfalls keine, die über den Fremden informieren? Ist Europa bildermüde geworden?

Ein Dokumentarfilmfestival wie das Dok.fest München ist eine gute Gelegenheit, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Und glücklicherweise hat es einen Film im Programm, der sich in dieser Frage radikal positioniert: "Les Sauteurs" von Moritz Siebert und Estephan Wagner.

Dokfest

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Die beiden sind nach Marokko gereist und haben in einem improvisierten Migrantenlager vor der spanischen Exklave Melilla einen jungen Mann aus Mali kennengelernt, dem sie eine Kamera gegeben haben, um einen Film zu machen: über sein Leben im Lager und die Versuche der Lagerbewohner, die Grenzschutzanlagen zu überwinden, die sie von Europa und der Hoffnung auf ein besseres Leben trennen.

"Les Sauteurs", das meint "die Springer", die versuchen, über den Zaun, über die Grenze zu springen. Indem die beiden europäischen Filmemacher auf diese Weise ihre Autorschaft abtreten, sendet der Film eine ganz klare Botschaft: Das Kino von morgen kommt nicht aus dem bilder- und kinomüden Europa - es kommt von seinen Grenzen.

Siebert, der schon in seinem letzten Film einen indischen Kaplan seine Eindrücke in der bayerischen Provinz hat filmen lassen, und sein Kompagnon Wagner halten sich sehr zurück. Eher kann man sie als Cutter oder Kuratoren ihres Filmes begreifen. Die allermeisten Aufnahmen stammen von dem jungen Mann aus Mali, Abou Bakar Sidibé.

Szenen von Freundschaft und Humor - und dem Tod eines Freundes

Sidibé filmt also sich und seine Kameraden, die ihn auch auffordern, ihre Situation zu filmen, um sie der Welt mitzuteilen. Es ist ein Leben im und vom Müll, in Angst und Hoffnung, begleitet von streunenden Hunden. Ein Leben in ständiger Bedrohung durch die marokkanische Polizei, mit ihren brutalen Razzien, ausgerichtet allein auf die Überwindung des Grenzzauns, was lebensgefährlich ist: Ein Freund, dem der Film gewidmet ist, wird im Laufe des Films sterben. Sidibé zeigt aber auch die Kameradschaft, den Humor, die Freuden und Späße des Alltags - und das Rechtssystem in einem gut funktionierenden multikulturellen Lager, in dem Leute aus allen Teilen Afrikas zusammenleben. Von wegen "Illegale"!

Diejenigen, die oft in "Strömen" oder "Wellen" entmenschlicht werden, deren Bilder man "aushalten" muss oder ignoriert, sie machen hier auf ihre Individualität und Legitimität aufmerksam. Indem sie ihr eigenes Bild produzieren - und ohne ein bestimmtes Image von sich verkaufen zu wollen. Wenn Sidibé ein rituelles Hahnenopfer filmt oder eine scherzhafte Unterhaltung über weiße Frauen in Europa, wird klar, dass es nicht darum geht, wie diese Bilder wirken, und ob es klug war oder nicht, sie zu drehen. Es geht einzig darum, wie etwas gefilmt wird. Darüber wird diskutiert, wenn etwa Sidibé und seine Freunde sich beim Waschen filmen: Welche Teile meines Körpers filmst du, welche besser nicht, aus welchem Winkel? Es ist der respektvolle Umgang zwischen Filmer und Gefilmten, der entscheidend ist - nicht die Produktion eines positiven, gefälligen Bildes vom Migranten.