Die wichtigsten Begriffe:Ein Glossar

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Die wichtigsten Begriffe: "Sometimes when we kiss, it feels like I am drinking water from your mouth" von Nino Bulling.

"Sometimes when we kiss, it feels like I am drinking water from your mouth" von Nino Bulling.

(Foto: Maja Wirkus)

Lumbung, Nongkrong, Sobald-Sobat: die wichtigsten Begriffe der Documenta.

Zum ersten Mal wird die Documenta von einem Kollektiv geleitet und zum ersten Mal von Kuratoren, die nicht westlich sozialisiert sind: Die Künstler- und Aktivistengruppe Ruangrupa stammt aus Indonesien und bezieht sich bei ihrer Arbeit stark auf Prinzipien der traditionellen indonesischen Kultur. Hier einige der wichtigsten Begriffe, die dem Besucher in Kassel begegnen.

Lumbung: In Indonesien werden damit lokale Reisscheunen bezeichnet, in denen die Bauern ihre Ernteüberschüsse einlagern, um sie mit der Gemeinschaft zu teilen. Das Kuratorenkollektiv Ruangrupa hat den Begriff zur Schlüsselmetapher ihrer Ausstellung erhoben. Er bezeichnet das undogmatische, pragmatische Teilen von Budget, Entscheidungen und Ressourcen und das gemeinsame Arbeiten in Netzwerken und Gruppen, aus dem die Documenta hervorging. Lumbung-Werte sind Großzügigkeit, Humor, Transparenz und lokale Verankerung. Auf der Documenta gibt es ein Lumbung-Radio, eine Lumbung-Druckerei, eine Lumbung-Galerie und ein Lumbung-Kino.

Majelis: Versammlung, bei der über wichtige Fragen für die Gemeinschaft entschieden wird. Etliche solche Majelis oder auch kleinere Mini-Majelis mit den Lumbung-Members und den Lumbung-Künstlern fanden zur Vorbereitung der Documenta statt.

Ekosistem: Ein "Ökosystem" von Gruppen und Personen, die miteinander arbeiten, verbunden oder voneinander abhängig sind.

Common Pot: der "Gemeinschaftstopf", die Gesamtheit der gemeinsamen Ressourcen, Kenntnisse und Fähigkeiten. Auf der Documenta bezeichnet der Common Pot vor allem das Budget, über dessen Verwendung eine Gruppe von Künstlern gemeinsam entscheidet.

Harvest: Die "Ernte" der teils langwierigen Diskussionen, die das gemeinsame Arbeiten mit sich bringt: Notizen auf großformatigen Papierbögen, Notizzettelchen, Memes und so weiter. Diese Aufzeichnungen, vor allem im Fridericianum zu finden, gehören zu den obskursten Teilen der Documenta Fifteen.

Ruruhaus: gegenüber vom Fridericianum. Die Documenta-Macher beschreiben es als "Wohnzimmer für Kassel" und wollen von dort aus in die Stadt hineinwirken. Zumindest an den Pressetagen war allerdings nicht erkennbar, worin es sich von einem gewöhnlichen Besucherzentrum mit Café, Handyladestationen und Buchhandlung unterscheiden würde.

Fridskul: So nennt Ruangrupa den wichtigsten Standort der Documenta, das Fridericianum. Außer der Ausstellung gibt es dort Kinderbetreuung, Bibliothek, Kunstlager, Werkstatt und Wohnräume für die Künstler.

Sobat-Sobat: nach dem indonesischen Wort für "Freunde" oder "Freundin", die Besucher-Guides.

Nongkrong: Herumhängen und Zeitverbringen mit Freunden, ohne den Druck, Ergebnisse hervorzubringen. Eine Praxis, die von Ruangrupa auch den Besuchern ans Herz gelegt wird.

Rurukids: der Kinderbereich der Documenta im Fridericianum. Nicht zu verwechseln mit der nebenan liegenden Krippe für Babys und Kleinkinder bis drei Jahren, die die Künstlerin Graziela Kunsch leitet.

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