Antisemitismus auf der Documenta:Scholz boykottiert Documenta

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Antisemitismus auf der Documenta: Sabine Schormann gab erst am Dienstagabend zu, dass es sich tatsächlich um antisemitische Bilder handelt.

Sabine Schormann gab erst am Dienstagabend zu, dass es sich tatsächlich um antisemitische Bilder handelt.

(Foto: Martin Meissner/AP)

Das antisemitische Bild ist weg, alle Veranstaltungen wurden erst mal abgesagt, und nun kommt auch der Bundeskanzler nicht.

Es ist mehr als fraglich, ob mit der Abhängung des Großbilds "People's Justice" auf der Documenta nun Ruhe einkehrt. Am Mittwoch kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz an, die Documenta nicht besuchen zu wollen und spricht von einem "Skandal". Der Jüdischen Allgemeinen sagte er über eine Regierungssprecherin, er finde "die besagte Abbildung in Kassel abscheulich". Scholz fordert nun "Konsequenzen" und richtet sich damit eindeutig an "die Documenta-Leitung". Ohne Namen zu nennen forderte auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, es müsse "über personelle Konsequenzen nachgedacht werden". In mehreren Medien wurde der Rücktritt von Generalsekretärin Sabine Schormann gefordert.

Nachdem auf dem Bild des indonesischen Kollektivs Taring Padi mehrere antisemitische Motive entdeckt worden waren, war es am Montag zunächst mit schwarzen Stoffbahnen verhüllt und am Dienstag schließlich ganz entfernt worden.

Nicht nur die Tatsache, dass die Bilder nicht rechtzeitig bemerkt wurden, wird nun kritisiert, auch der Umgang Schormanns damit. Vor der Eröffnung hatte sie immer wieder versprochen, es werde keine antisemitischen Inhalte bei der Documenta geben. Als die antisemitischen Karikaturen auf dem Bild von Taring Padi dann aufgetaucht waren, erklärte sie am Montagabend, "die Geschäftsführung der documenta ist keine Instanz, die sich die künstlerischen Exponate vorab zur Prüfung vorlegen lassen kann und darf das auch nicht sein." Tatsächlich besitzt Schormann aber als Generalsekretärin das Hausrecht. Erst am Dienstagabend gab sie zu, dass es sich tatsächlich um antisemitische Bilder handelte und bat um Entschuldigung.

Moderater äußerte sich Meron Mendel, der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank. "Noch ist nicht alles verloren, jetzt muss diese Krise als Chance genutzt werden, um wirklich ins Gespräch zu kommen", sagte er am Mittwoch gegenüber dpa. Die Bildungsstätte Anne Frank wolle in Kassel mit Bildungsangeboten zur Aufklärung über Antisemitismus und Rassismus unterstützen.

Ruangrupa hatte sich bis Mittwochnachmittag nicht zu dem Vorfall geäußert

Die Jüdische Allgemeine fordert indes den Rücktritt von Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Der Bund gehört zwar über die Bundeskulturstiftung zu den Geldgebern der Documenta, ist jedoch nicht Gesellschafter der gGmbH. Roth hatte die Documenta in den letzten Wochen aber immer wieder gegen Kritik verteidigt.

Immer mehr sorgt auch das Schweigen des Kuratorenkollektivs Ruangrupa, das die Documenta in diesem Jahr verantwortet, für Irritation. Bis Mittwochnachmittag hatte sich die Gruppe nicht zu dem Vorfall geäußert.

Die Documenta hat indes alle öffentlichen Veranstaltungen bis einschließlich Freitag abgesagt - "aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie".

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