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Nachruf:Sänger gegen den Hass

Djordje Balaševic

Poet, Sänger und Kämpfer gegen den Hass: Djordje Balašević.

(Foto: www.balasevic.com)

Der serbische Musiker Djordje Balašević wird für seine Lieder und seine politische Haltung von Menschen aus allen Volksgruppen des in den Neunzigerjahren zerfallenen Vielvölkerstaats verehrt. Jetzt ist er im Alter von 67 Jahren gestorben.

Von Jens Schneider

Als der Vielvölkerstaat Jugoslawien Anfang der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts von Nationalisten in einen barbarischen Krieg geführt wurde, stellte sich der serbische Sänger Djordje Balašević gegen den Hass. Den Musiker aus Novi Sad bewunderten dort schon damals viele Menschen, viele kenne seine fein gewobenen, poetischen Balladen noch heute auswendig. Um seine Bedeutung zu beschreiben, nannte man ihn manchmal den "Bob Dylan Jugoslawiens". Am vergangenen Freitag ist Djordje Balašević im Alter von 67 Jahren in seiner Heimatstadt Novi Sad an Covid-19 gestorben.

Balašević hatte seit den Siebzigern als Sänger und Autor im früheren Jugoslawien Erfolg gehabt. Er schrieb Songs, die als Erinnerung bis heute Menschen aus dem zerfallenen Staat verbinden und in den vergangenen Jahren bei seinen Tourneen wie Hymnen mitgesungen wurden. Früh warnte Balašević vor dem aufkommenden Nationalismus, der das Land zerstören und viel Leid bringen würde. Er spürte diese Gefahr schon Jahre vor Ausbruch des Krieges, der von 1991 an erst in Kroatien und bald darauf in Bosnien-Herzegowina wütete. Vorahnend schrieb er 1987 das wehmütige Lied "Samo da rata ne bude", "Nur, dass der Krieg nicht kommt".

Jugoslawien zerfiel in einem blutigen Krieg, dem in Kroatien und Bosnien-Herzegowina Hunderttausende zum Opfer fielen. Die Spuren dieses Krieges prägen die Region bis heute. Nach dem Krieg trat Balašević im Jahr 1998 als erster serbischer Künstler überhaupt in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo auf, die noch kurz zuvor über Monate hinweg von serbischen Truppen belagert und beschossen worden war. Das Publikum in Sarajevo feierte ihn. Balašević schrieb in diesen Jahren Lieder gegen den nationalistischen Kriegstreiber Slobodan Milošević, der als einer der Hauptverantwortlichen für die mörderischen Zerfallskriege im früheren Jugoslawien galt. Er unterstützte die Opposition gegen den Autokraten. Solange der 2006 verstorbene Milošević in Serbien regierte, hielt sich der Musiker in seinem Heimatland ausdrücklich zurück. Bis in die letzten Jahre gab der Künstler dann in Serbien und europaweit erfolgreiche Konzerte.

© SZ/rjb
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