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"Django" im Kino:Weltberühmt und doch diskriminiert

Film Django

Django Reinhardt (Reda Kateb) mit seiner Gitarre: Wenn er spielte, schien er immer über den Dingen zu schweben.

(Foto: Verleih)

Der legendäre Gitarrist Django Reinhardt wurde als Sinti von den Nationalsozialisten verfolgt. Der Film "Django" lässt sein Schicksal nun sehr gegenwärtig aussehen.

Von Philipp Stadelmaier

Das Publikum im überfüllten Konzertsaal wird schon ungeduldig, aber der Künstler ist gerade noch schön beim Fischen. Django Reinhardt (Reda Kateb) steht in aller Seelenruhe am Ufer der Seine, lässt sich die Pariser Sonne auf den Kopf scheinen und seine Angel ins Wasser baumeln. Ab und an nimmt er einen Schluck aus der Schnapspulle. Bis am Quai sein gestresster Manager auftaucht, der ihn schon überall gesucht hat: "Auf geht's Django, der Saal ist voll, die Leute warten!"

Reinhardt lässt sich also zum Konzertsaal fahren, in einen Anzug stecken, die Gitarre in die Hand drücken und auf die Bühne zerren, die Bandkollegen sind längst da. Applaus brandet auf und verstummt. Dann greift er in die Saiten, und mit einem Mal ist die Gemütlichkeit wie weggewischt. Django Reinhardt, der weltberühmte Gitarrist, gibt flirrenden Gypsie-Swing zum Besten. Und das mit einer linken Hand, an der zwei Finger verkrüppelt sind.

Dieses Konzert ist kein gewöhnliches: Im Halbdunkel des Saals sieht man etliche Nazi-Uniformen. Es ist das Jahr 1943, Frankreich wurde von den Deutschen besetzt. Die Amerikaner sind aus Paris verschwunden und mit ihnen viele Jazzmusiker, was Reinhardt zum unbestrittenen "King of Swing" der französischen Hauptstadt macht. Sogar die Deutschen sind begeistert und swingen mit, wenngleich etwas steif. Dennoch geht eine Gefahr von ihnen aus, Reinhardt ist Sinti, und der Film beginnt damit, wie eine Gruppe Sinti in einem Wald von den Deutschen ermordet wird. Die Nazis haben Reinhardt genau im Visier. Nach dem Konzert kommt ein deutscher Kulturattaché in seine Garderobe, um ihn nach Berlin einzuladen. Goebbels würde ihn gern sehen, vielleicht sogar der Führer! "Einladen" ist natürlich ein Euphemismus. Eher wird die Sache angeordnet. Eine alte Freundin, Louise (Cécile De France), rät Reinhardt ab: Wenn er nach Deutschland gehe, werde er nicht mehr zurückkommen - es blühten ihm Deportation und Ermordung.

Dass sich der französische Regisseur Étienne Comar in seinem Biopic über den großen Jazzgitarristen, der von 1910 bis 1953 gelebt hat, auf die Jahre der Okkupation beschränkt, ist eine gute Idee. Aus dieser Bedrohung zieht die Geschichte ihre dramaturgische Spannung.

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