Die Zukunft des Kinos An das Staunen über den ersten "Star Wars"-Film wird kein Sequel je heranreichen

Wie ein Abenteuer fühlt sich das nicht an. Nun ist nicht grundsätzlich etwas gegen neue "Star Wars"-Filme zu sagen, und auch die Frage, wie der zuverlässig größenwahnsinnige James Cameron sich noch dreimal selbst übertreffen will, ist keineswegs uninteressant.

Aber selbst die härtesten Fans werden ein grundsätzliches Problem eingestehen: Die ersten Minuten eines Films, der mit dem Label "Episode 7" ins Kino kommt, mögen so brillant werden, wie sie wollen - an das ursprüngliche Staunen am Anfang des allerersten "Star Wars"-Films können sie niemals heranreichen.

Den magischen Moment des Eintauchens in eine völlig neue, bisher gänzlich unbekannte, atemberaubende Welt - das kann keine Fortsetzung, kein Spin-off, keine Comic-Adaption bieten. Genau diese nie versiegende Kraft zur Welterfindung aber - war sie nicht immer die wertvollste Gabe des Kinos überhaupt?

Sie war es, aber sie ist es nicht mehr. Nicht Welterfindung ist Hollywoods neues Kerngeschäft, sondern die endlose Ausgestaltung seiner bestehenden Fantasy-Universen. Alles, was schon einmal funktioniert hat, wird immer weiter ausgeschmückt, immer breitwandiger aufgestellt - und immer flacher ausgewalzt.

Und das Seltsame ist: Je dünner die Substanz wird, mit der man spielen kann, je eingeschränkter die Imagination ist, begrenzt von tausend Regeln, was zum Beispiel im "Star Wars"-Universum überhaupt noch passieren darf - desto obsessiver verfolgen die Fans schon die Dreharbeiten und Ankündigungen, desto atemloser lauern sie auf alle neuen Details, Enthüllungen und Entscheidungen.

Es braucht Filmemacher, die sich dem Trend entgegenstemmen

Es ist schon wahr - die große Mehrheit der Zuschauer ist völlig zufrieden damit, sich in den immer gleichen Comic- und Fantasy-Welten zu bewegen, ständig denselben vertrauten Superhelden wieder zu begegnen. Sie verlangen sogar begierig danach. Nur so können die Studios überhaupt ihre Langzeitpläne entwickeln, ihre Gewinnmargen kalkulieren.

Aber gerade weil das so ist, sind jene Filmemacher so wichtig, die sich dem Trend entgegenstemmen. Christopher Nolan etwa, der von "Batman" kommt, aber mit "Inception" und "Interstellar" wieder zum mutigen Weltenerfinder geworden ist. Alfonso Cuarón, der "Harry Potter"-Pflichten absolviert hat, aber dann mit "Gravity" einen nie gesehenen Weg fand, die Schwerelosigkeit des Weltalls zu filmen.

Oder Ridley Scott, der trotz seiner 77 Jahre noch immer für Hunderte Budget-Millionen und unglaubliche neue Welten gut ist, etwa wenn er sich nächstes Jahr mit "The Martian" auf den Mars begibt. Bleibt hart, möchte man diesen Filmemachern zurufen, kämpft weiter! Und lasst uns mit dem großen Fünfjahresplan für Superhelden und Sequels nicht allein.