Die kranke Psyche der Prominenten Irre erfolgreich

Über große Egos und Selbstzerstörung im Showbusiness, die Bühne als Therapie und die Liebe des Publikums zu psychisch kranken Superstars - eine Ferndiagnose von Psychiater Borwin Bandelow.

Von REBECCA CASATI

Borwin Bandelow ist Geschäftsführender Oberarzt an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Er hat ein erfolgreiches Buch über Angst geschrieben und das, was man eine "flotte Schreibe" nennt. Nun ist bei Rowohlt sein neues Buch erschienen: "Celebrities. Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein".

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Prominente auf Selbstzerstörungstrip

In fünf Kapiteln und vielen kürzeren Abhandlungen erläutert Bandelow darin das Phänomen der "Borderline"-Krankheit, anhand von Beispielen aus seinem Praxisalltag und - der Clou - am Beispiel Prominenter, die er ferndiagnostiziert.

Aus Bandelows Buch spricht großes Wissen, zudem liest es sich überaus unterhaltsam. Allgemeinverständlich erläutert er die Terminologien und Perspektiven der modernen Psychiatrie, sorgfältig differenziert er zwischen den Varianten "antisozial", "Borderline", "histrionisch" und "narzisstisch".

Die Selbstzweifel von Robbie & Co

Allerdings diagnostiziert Bandelow - und darum ist dieses Buch so angreifbar - seine Patienten mit mindestens derselben Überzeugung wie die durch die Medien millionenfach gefilterten Promi-Aussagen.

Dem von Selbstzweifeln verfolgten Robbie Williams bescheinigt er: "Alles ist auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen: eine Borderline-Persönlichkeitsstörung."

Bei der schlaftablettensüchtigen und von Selbstzweifeln verfolgten Marylin Monroe ist er sich fast noch sicherer: "Die Umstände ihres Todes waren mysteriös - aber es gibt für alles eine Erklärung."

Und im Fall des depressiven Elvis Presley klingt es gar so, als habe dieser längere Zeit unter Bandelows ärztlicher Beobachtung gestanden: "Sein narzisstischer Geltungdrang, der sich schon früh abzeichnete, war das erste Anzeichen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung."

Unfreiwillig komisch

Bandelow lässt nicht nur viel einfließen über seine Fachgebiete, er hat auch ein Faible für pompöse Alliterationen ("dem kleingeldmäßig kontinuierlich klammen Komponisten...") und launige Zwischenüberschriften ("Der doppelte Stinkefinger").