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Die goldene Stadt:Die Burg brennt

Daniela Hodorová erkundet ihre Heimatstadt Prag. Ihr Buch handelt vom Umbruch der Jahre 1989/90. Endlich ist es auch auf Deutsch erschienen.

Das Puppentheater und die Chroniken von Prag, wo sie 1946 geboren wurde, haben es der Romanautorin und Essayistin Daniela Hodrová angetan. Aber die "alte Chronik" gibt es nicht bei ihr, alles, was je in Prag geschehen ist, hat auf ihrer Prosabühne gleichzeitig seinen Auftritt. Und sie nimmt sich selbst nicht aus dem Spiel, wenn sie auf dem Wenzelsplatz die hingerichteten Hussiten de Jahres 1621 auf die Demonstranten im Herbst 1989 treffen lässt oder in der Alchemistengasse der Wahrsagerin begegnet, die den Nazis ihr Ende prophezeite und 1944 von der Gestapo ermordet wurde.

Zu Recht steht das Ich der Autorin an erster Stelle des Titels, aber es erhebt sich nicht über die Stadt, es ist der Punktstrahler, der die Schauplätze in das Licht einer Lebenserfahrung taucht, die das Defilee der Pioniere vor der kommunistischen Staatsführung, die Revolution von 1968 und vor allem den Umbruch der Jahre 1989/90 umfasst. Auf Tschechisch ist dieses Prag-Buch 1992 erschienen, es ist mit der Erfahrung des Umbruchs imprägniert. Nun ist es auch auf Deutsch da - und zum Zeitzeugen geworden.

Daniela Hodrová: Ich sehe die Stadt ... . Aus dem Tschechischen und herausgegeben von Eduard Schreiber. Mit einem Nachwort von Radonitzer. Arco Verlag, Wuppertal und Wien 2019. 136 Seiten, 16 Euro.