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Die CDs der Woche - Popkolumne:Zügelloser Zwei-Mann-Blues

Die Palma Violets klingen wie ein nostalgischer Punk-Konzertabend in Camden, bei dem sich The Clash mit Dr. Feelgood zusammentun. Aber ein Konzert von den Juke Joint Pimps lässt hysterisch tanzen und selig grinsen.

Die Idee, Popmusik zu einem astronomischen Preis an einen einzigen Käufer zu verkaufen, scheint zur Zeit so manche zu faszinieren. Der Wu-Tang Clan versteigerte nun sein Album "Once Upon a Time in Shaolin" in der Auflage von genau einem Exemplar. Längere Zeit hieß es, der DJ Skrillex habe bereits für fünf Millionen Dollar zugeschlagen. Das war aber nur ein Gerücht. Das Rennen ist wieder offen.

Weg von der Massenware

Jetzt hat das amerikanische Duo Future Islands eine Maxi-Single mit zwei Songs aufgenommen, die nicht in den Handel kommt, sondern am "Record Store Day" genau ein Mal verkauft wurde, ebenfalls an den Höchstbietenden. Die beiden Songs werden trotzdem bald im Internet kursieren, Fans der Band dürfen sich freuen: "The Chase" und "Haunted By You" sind genau der Achtziger-Soul-Disco-Pop, den Future Islands sonst auch machen.

Interessanter ist die These, die von den Wu-Tang-Leuten und Future Islands ganz ähnlich geäußert wurde: Durch die ungewöhnliche Verkaufsmethode soll der Wert des einzelnen Kunstwerks wieder in den Vordergrund gerückt werden. Weg von der Massenware, weg vom Niedrigpreis-Angebot. An der Idee mag etwas dran sein. Aber ist das alternative Konzept so viel erstrebenswerter? Der Künstler, der exklusiv für einzelne arbeitet: Sind wir da nicht wieder bei der höfischen Musik?

Kurt Cobain Musikvideo für ADS-Patienten
Filmkritik

Doku über Kurt Cobain

Musikvideo für ADS-Patienten

Was für ein Film hätte das werden können! Die Dokumentation "Montage of Heck" über Kurt Cobain ist voll mit intimem Videomaterial. Doch die Macher interessierten sich mehr für filmische Tricks als für den Nirvana-Frontmann und sein Werk.   Von Jens-Christian Rabe

Kilometerweise alte Tonbänder

Kurt Cobain war ein wichtiger Mann, ja, Kurt Cobain hat Musikgeschichte geschrieben, ja, ja. Aber deswegen verdient nicht gleich jedes dreisekündige Ächzen von ihm, das es irgendwann mal auf ein Tonband geschafft hat, eine eigene Gedenkkapelle. Bald kommt in den USA der Dokumentarfilm "Kurt Cobain: Montage of Heck" raus, der Regisseur Brett Morgen hat sich dafür kilometerweise alte Bänder angehört, jetzt feiern amerikanische Magazine eines seiner Fundstücke: Kurt Cobain singt zu Hause den Beatles-Klassiker "And I Love Her" (zu hören etwa auf der Homepage des amerikanischen Rolling Stone).

Ach, wie minimalistisch er dabei Gitarre spiele! Oh, wie schwermütig er den Text interpretiere! Naja. Man könnte auch sagen: Wie müde! Wie schlecht gelaunt! Wie maulfaul! Aber in der Cobainkirche wäre es ein Sakrileg, solches zu sprechen. Darum also: höfliche Zurückhaltung.

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