Die CDs der Woche - Popkolumne Landshapes

Wo bleibt eigentlich die Doktorarbeit zur Geschichte der Höllenfloskel "atmosphärisch dicht"? Wann kam die auf? Warum wurde sie zum Einzigen, was Kritikern einfällt, wenn sie sagen wollen, dass ein Buch, ein Film, eine Platte interessant ist oder aufregend, faszinierend, mitreißend, berührend, gefühlvoll, gut gemacht, geschickt verwoben, toll konstruiert? All das ist das Album "Rambutan" (Cooperative/Rough Trade) des englischen Quartetts Landshapes, aber leider auf genau die Art, die bei vielen wieder den Atmosphärisch-dicht-Reflex auslösen wird.

Landshapes spielen auf "Rambutan" klare, einfache Songs mit viel Gitarre und mädchenhaftem Gesang und etwas Indie-Geschrammel.

(Foto: Cooperative/Rough Trade)

Landshapes spielen geräuschlastigen Folkpop, klare, einfache Songs mit viel Gitarre und mädchenhaftem Gesang, ganz behutsam, manchmal minimalistisch, fast krautrockig, dann wieder durchbrochen von lautem Indie-Geschraddel. Musik, die viel Luft lässt, viel Raum, nicht nur für den manchmal fast verlorenen Gesang, der in langen Bögen einsam über allem schwebt, sondern auch für den Hörer, der zum Beispiel im wunderschönen "Night So Strong" genug Platz hat, um selbst noch ein bisschen im Dunkeln herumzuspazieren.

Viel von seiner Wirkung verdankt dieses Album der Art, wie es aufgenommen ist: Alle Instrumente und Stimmen sind sehr präsent, aber mit viel Hall eingespielt worden, so entsteht der Eindruck, man sei mit den vier Musikern in einer Kirche, stünde aber direkt neben dem leise plöckelnden Schlagzeug, während einem die Sängerin ihre melancholischen Melodien direkt ins Ohr singt, ganz vorsichtig, ganz zart. Ein Album, in das man ohne Weiteres eine Zeit lang einziehen möchte.

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