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Die CDs der Woche - Popkolumne:Wüstensand zwischen den Tönen

Album "The Big Dream" von David Lynch

Auf "The Big Dream" bläst David Lynch jedem Song eine Prise Wüstensand zwischen die Töne.

(Foto: Pias)

Das neue Album von David Lynch klingt wie Eremitenmusik aus der Einöde. Landshapes spielen geräuschlastigen Folkpop mit Indie-Geschrammel und Maya Jane Coles hätte mehr Experiment, weniger Sicherheit nicht geschadet. Die Popkolumne - zum Lesen und zum Hören.

David Lynch

Wer behauptet, dass er in den Filmen von David Lynch alles versteht, lügt. Kaum ein anderer Regisseur hat es so drauf, rätselhafte Sequenzen zu einem großen Ganzen zu verbinden, Zuschauer zu hypnotisieren und dabei weitgehend im Unklaren zu lassen über das, was da eigentlich vor sich geht.

Lynch hat sich immer selbst um die Musik seiner Filme gekümmert (Rammstein verdanken ihm viel, weil er ihre Lieder im Filmalbtraum "Lost Highway" schon einsetzte, als sie noch ziemlich unbekannt waren), aber als er vor drei Jahren plötzlich eine eigene CD veröffentlichte, war die Überraschung sogar bei seinen Fans groß. Leicht zugänglich ist Lynchs Musik nicht, aber auch nicht ganz so abgründig wie seine Filme. Sein zweites Album "The Big Dream" (Pias) versammelt bruchstückhafte Lieder mit wenig Melodie. Lynch sieht seine Rolle eher im monotonen, dünnen Flüstergesang, dazu wenige Akkorde, simple Drumcomputer, komische kleine Synthesizerschleifen und Geräusche, viel Rauschen und Knurpseln und Schmirgeln. Eremitenmusik.

Der alte verrückte Dub-Produzent Lee Perry hat früher in seinem Studio gern den Rauch dicker Joints auf die Tonbänder gepustet, er meinte, das verschaffe seinen Aufnahmen das gewisse Extra. Lynchs Aufnahmen klingen, als hätte jemand Wüstensand zwischen die Töne geblasen. Songs, verloren wie Anhalter, die an einer einsamen Tankstelle im Mittleren Westen keine Mitfahrgelegenheit finden.