Die CDs der Woche - Popkolumne:Musikalische Köstlichkeiten

Der gelernte Koch Action Bronson serviert bekömmlichen New-School-Rap. Noel Gallagher und Band machen uns an Oasis erinnernden Brit Pop wieder schmackhaft. Und dann ist da noch Jack White und die Avocado-Dip-Affäre.

Von Jens-Christian Rabe

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Quelle: AFP

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Es herrscht gerade noch allenthalben die obligatorische kleine Grammy-Depression in der Popwelt. Am Sonntag wurden zum 57. Mal die wichtigsten Popmusikpreise vergeben, aber auch wenn man letztlich eine eher lahme Veranstaltung gesehen hatte, gab's natürlich doch ein paar bedeutende Momente. Dass Kanye West unaufgefordert kurz auf der Bühne erschien, als gerade Beck die Auszeichnung für das Album des Jahres erhalten sollte, war ein solcher.

Das notorisch größenwahnsinnige Hip-Hop-Genie erschien vor Jahren schon einmal ungefragt auf einer großen Fernsehbühne, um der damaligen Gewinnerin Taylor Swift das Mikrofon aus der Hand zu nehmen und todernst zu sagen, dass Beyoncé den Preis viel mehr verdient hätte. Diesmal drehte er im letzten Moment ab. Man atmete auf und dachte, er habe einen schönen, selbstironischen Witz gemacht. Aber so war es leider nicht. Der rechtschaffene Herr K wollte wirklich mal wieder für Gerechtigkeit sorgen. Das ebenfalls nominierte aktuelle Album von - genau - Beyoncé, hielt er für die bessere Wahl. Aber, so West hinterher, dann habe er sich an "seine Frau, seine Tochter und seine Mode-Kollektion" erinnert und sei ihnen zu Liebe wieder umgekehrt.

Stimmt, obacht, Superstar-Grundgesetz, Artikel 1, Absatz 1: Nicht die Familie mit reinziehen und wirklich auf keinen Fall: die Kollektion! Es sollte allerdings auch nicht verschwiegen werden, dass Becks "Morning Phase" zwar eine sehr schöne, ruhige, formvollendete Indie-Pop-Platte ist, das bessere und zeitgenössischere Album jedoch genau genommen tatsächlich das unbetitelte von Beyoncé sein dürfte.

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Quelle: SZ

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Neue Musik gibt es natürlich auch. Das neue, zweite Album der High Flying Birds zum Beispiel, der neuen Band des ehemaligen Oasis-Kopfs Noel Gallagher. Und was soll man sagen? Es klingt immer noch wie der schnörkellose, hymnische Retro-Rock'n'Roll, der Brit-Pop genannt wurde und Oasis einst weltberühmt machte. Aber wie schon beim unbetitelten Debüt der High Flying Birds wird das ewig Gleiche hier auf verblüffend hohem Niveau fabriziert. Selbst wenn man also - anders als der Meister selbst - nicht unbedingt der Meinung ist, dass "Riverman" der vielleicht beste Song ist, den Gallagher je geschrieben hat, muss man doch sagen, dass Songs wie "The Right Stuff" und "In The Heat Of The Moment" auf der Liste der besten Oasis-Songs, die Oasis nie aufgenommen haben, weit, weit vorne stehen müssen.

Action Bronson - Actin' Crazy

Quelle: SZ

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Glücklicher hat einen dieser Tage nur die neue Single des noch viel zu unbekannten New Yorker Rappers Action Bronson gemacht: "Actin' Crazy". Sein neues Album "Mr. Wonderful" erscheint erst Ende März. Zu Mr. Bronson hier erst mal nur so viel: Er ist auch Koch, wiegt - konservativ geschätzt - 160 Kilo und wenn er rappt, hat man das Gefühl, er wuchte sich dabei ununterbrochen nach einer viel zu kurzen Nacht aus dem Bett. Yeeeeaaaaah.

The 2015 MusiCares Person Of The Year Gala Honoring Bob Dylan - Show

Quelle: AFP

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Die irritierendste Richtigstellung der Woche lieferte der eigentlich uneingeschränkt verehrungswürdige Indie-Neo-Blues-König Jack White. Nach einem Konzert Whites an der University of Oklahoma hatten die Veranstalter nicht nur den Vertrag, sondern auch die Sonderwünsche von Künstler und Crew veröffentlicht, samt eines genauen Avocado-Dip-Rezepts und dem großen Satz: "PLEASE NOTE: This is a NO BANANA Tour. (Seriously) We don't want to see bananas anywhere in the building."

Weil solche Extrawürstchen sonst nur von Mainstream-Diven bekannt sind, war das Management gezwungen, in einem langen öffentlichen Brief Abbitte zu leisten. Ja, Show und Publikum in Oklahoma waren großartig und nein, White habe mit der Avocado-Sache nichts zu tun: "Wir wissen gar nicht, ob er Avocado-Dip überhaupt mag."

Oje, oje. Schon bisschen blöd, das so was heute gleich im Netz herumgeht.

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Quelle: SZ

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Und das Allerbeste zum Schluss: Wenigstens eine ganze lange Woche wird vom kommenden Freitag an das fabulöse neue Album der Hamburger Elektro-Dance-Hip-Hop-Krawall-Band Deichkind auf dem ersten Platz der deutschen Album-Charts stehen. Es trägt den Titel "Niveau Weshalb Warum". So lange es so'ne Musik an die Spitze schafft, ist die Popkultur dieses Landes noch nicht ganz verloren.

© SZ.de/perl
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