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Die CDs der Woche - Popkolumne:Kunstvolle Klangruinen

Das neue Album von Xiu Xiu ist anstrengend, während man beim John Butler Trio nicht weiß, was es eigentlich will. Dagegen ist der Sound von Suzanne Vega eingängig und die Broilers treffen mit ihrem familienfreundlichen Hybridpunk einen deutschen Nerv. Die Popkolumne - zum Lesen und Hören.

Xiu Xiu

Die Stelle, an der Jamie Stewart immer wieder hyperventilierend "Black Dick, Black Dick" stammelt, ist sehr anstrengend. Das restliche Album ist nur anstrengend, aber das ist allen Freunden der Formation aus Los Angeles ja unbedingtes Qualitätsmerkmal. Die Frage angesichts eines neuen Xiu-Xiu-Werkes wie "Angel Guts: Red Classroom" (Pias) ist also nicht so sehr ob, sondern nur wie düster verschroben es geworden ist. Das Bauchgefühl nach einigen Durchläufen sagt: sehr.

Das Album "Angel Guts: Red Classroom" von Xiu Xiu funktioniert sehr körperlich.

Effekte aus Gespensterfilmen treffen auf schreiende Ferkel, dumpf pochende Beats unterlegen das wilde Geschichtenerzählen Stewarts, das diesmal einen besonders triebhaften Einschlag hat - ein japanischer Vintage-Erotikfilm ist dann auch Namenspate und Mentor dieses Klang gewordenen Unheils. Xiu-Xiu-Platten funktionieren stets körperlich.

Am Ende hat man etwas Neues erfahren, an sich, im Ohr, irgendwo. Ein akustischer Tremor schüttert jedenfalls noch lange nach. Das Sperrige, hier wird's Methode. Es ist trotzdem relativ leicht, zwischen diesen kunstvollen Klangruinen schlecht drauf zu kommen.

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