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Die CDs der Woche - Popkolumne:Katharsis aus Keyboard und Gitarren

The Flaming Lips

Das Album "7 Skies H3" ist ein Zeugnis des galoppierenden Wahnsinns der Flaming Lips.

(Foto: WMG)

Mit ihrer herrlichen Musik haben sich die Flaming Lips in die Indie-Geschichtsbücher eingetragen. Doch ihr neues Album "7 Skies H3" klingt nach klanglichem Minimalismus - und wurde anfangs in einer sehr kuriosen Verpackung ausgeliefert. Die Popkolumne - zum Lesen und Hören.

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn sich große Künstler langsam in die Geistesschwäche verabschieden. Im Falle der Flaming Lips hat sich dieser Karrieresprung schon bei den letzten Platten angedeutet, schade ist es trotzdem. Schließlich hat die Band vor einer guten Dekade mit "Soft Bulletin" und "Yoshimi Battles. . ." herrliche Musik in die Indie-Geschichtsbücher eingetragen.

Nun erscheint mit "7 Skies H3" (Warner) ein nachgereichtes Zeugnis des galoppierenden Wahnsinns, das die Band ursprünglich schon im Oktober 2011 abgelegt hatte. Die 24-Stunden-Komposition (!) wurde damals in einer limitierten Auflage von 13 Stück (!!) in echten menschlichen Totenschädeln (!!!) ausgeliefert. Was nach Aussage von Sänger Wayne Coyne nur konsequent gewesen sei, schließlich ginge es bei dem Mammutwerk um den Tod und noch ein paar andere elementare Angelegenheiten. Aus diesem psychedelischen Dauerstück wurde jetzt eine Liebhaber-Cuvée verschnitten, sozusagen ein Best-Of in zehn Teilen.

Die solcherart und auch durch den Verzicht auf die Schädel breiteren Volksschichten zugänglich gemachte Sinfonie, ist in den erträglichsten Teilen ein elegisches Instrumental. Sonnenaufgangsmusik mit Hang zu Hippie-Pathos der Siebzigerjahre, und wenigen, winzigen Momenten zarter Flaming-Lips-Poesie, etwa beim acht Minuten langen "Can't Let Go" - da schimmert noch etwas Schönes durch. Der Rest aber ist eine unruhige Reise zwischen Kakophonie und klanglichem Minimalismus, eine Katharsis aus Keyboards und Gitarren, die sich in der 50-Minuten-Version, genau genommen, eigentlich überhaupt nicht erschließt.

Wenn Sie diese Songs nicht hören können, melden Sie sich bitte bei Spotify an.

OK Go aus Chicago dürfte auch in die Geschichtsbücher eingehen und zwar als Band, deren Bekanntheit nicht aus ihrer Musik, sondern nur aus den dazugehörigen Videoclips resultierte. Jetzt haben die sympathischen Herren ein neues Wunderwerk abgedreht, wieder ein One-Shot, bei dem die Band in einer Fabrikhalle ein Füllhorn an optischen Täuschungen ausgeschüttet hat, die sie fröhlich singend durchwandert.

Als Zuschauer ist man angesichts der Spielereien wieder so gebannt, dass man hinterher kaum etwas über den Song sagen kann, der ja während des lustigen Turnens auch noch präsentiert wurde. Probieren wir es trotzdem: "The Writing's On The Wall" ist ein hymnisches Wave-Ding, wie es derzeit viele Bands versuchen, ungefähr The Cure mit Apple-Computern. Den Aufwand mit den Videos aber machen sich nur OK Go in dieser bemerkenswerten Form. Sie bedienen den "Schau mal, like mal!"-Reflex des Netzes jetzt allerdings auch schon seit zehn Jahren, vielleicht sollten sie langsam auch mal auf den "Hör mal!"-Reflex denken.

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