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Die CDs der Woche - Popkolumne:Eric Clapton

Etwas weniger glücklich waren wir, als uns dieser Tage das 21. Studioalbum von Eric Clapton in die Hände fiel. Es heißt tatsächlich "Old Sock" (Polydor/Universal) und je länger wir die CD betrachteten, umso klarer wurde, dass da jemand, vielleicht sogar der Meister selbst, schon rein gestalterisch ein echtes Kunststück vollbracht hat: Das Cover ist noch unfassbarer als der Titel der Platte. Also wirklich so hässlich, dass man unmöglich über dieses Album reden kann, ohne eine Wort über das Cover zu verlieren. Die Schrift muss ein Grafiker des Tigerentenclubs ausgewählt haben: Die Buchstaben sollen offensichtlich so aussehen, als seien sie aus Comic-Holzplanken zusammengenagelt worden. Und in der Mitte prangt ein lausig belichteter Handy-Schnappschuss Claptons mit Hut vor Palmen. Was bitte will uns der einst beste und meistens auch stilsicherste weiße Bluesgitarrist damit sagen? Gibt es unter den alten Socken einen hoch dotierten Wettbewerb um das hässlichste Cover der Popgeschichte?

Das Cover ist noch unfassbarer als sein Titel: "Old Sock" von Eric Clapton.

(Foto: Polydor/Universal)

Die Musik ist dann leider auch nicht mehr als ein Sampler mit glasierten Coverversionen von Claptons Lieblingssongs. Von Taj Mahals "Further On Down The Road" bis Gershwins "Our Love Is Here To Stay". Es gibt sehr berühmte Gäste, J.J. Cale, Steve Winwood und Paul McCartney, aber keinen Zauber. "Old Sock" ist ein völlig überflüssiges Album. Wie schade. Wir empfehlen als Gegengift eine kleine Youtube-Tour zu Clapton-Auftritten aus den Sechzigern. Und die kürzlich veröffentlichten Videos, in denen er für einen amerikanischen Gitarrenladen auf streng limitierten Kopien seiner Lieblingsinstrumente herumimprovisiert. Wow, was für ein Ton noch immer in diesen Fingern steckt! Einfach so, mal eben zwei Minuten ganz locker aus dem Sofasessel heraus. Wo ist der Produzent, der Clapton endlich wieder mehr sein lässt als einen lahmen Lackierer seines Ruhms?

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