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Die CDs der Woche - Popkolumne:Bell X1

Die Bell X1 war ein komisches kleines Spezialflugzeug, mit dem man in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts ein bisschen hinter der Schallmauer rumfummelte. Optimales Namensmaterial für eine leicht rückwärtsgewandte Indieband.

Album "Chop Chop" von Bell X1

Auf dem Album "Chop Chop" beweist die Indie-Band Bell X1 ein Gespür für sanft austarierten Piano-Pop.

(Foto: Belly Up Records)

Allerdings besteht bei dem irischen Trio gleichen Namens keine Gefahr für die Schallmauer - die Lieder sind überwiegend so langsam, dass man zwischen Bridge und Refrain sogar noch über Damien Rice nachdenken kann. Der gehörte auch mal zu dieser Band (die damals Juniper hieß), bevor er Einzelmusikant wurde.

Geblieben ist der Truppe in den letzten Jahren ein Gespür für sanft austarierten Piano-Pop und dieses ständige Hintergrundsäuseln, wie man es von William Fitzsimmons oder Bon Iver kennt. Als läge über allen Songs des schnell eingespielten neuen Albums "Chop Chop" (Belly Up Records) ein wehmütiges Engelsklingeln, das nur derjenige so richtig hört, der gerade ein bisschen seelenwund ist. Für alle anderen ist das eine formidable Melodic-Pop-Platte geworden, in einer Machart, die seit Jahren etwas aus der Mode ist, nämlich mit einer College-Melancholie, die sehr rührend sein kann.

Wenn Sänger Paul Noonan etwa beschwörend immer wieder "Careful, what you wish for!" raunt und im Hintergrund eine Lo-Fi-Mäuseorgel dreht. Produzent Peter Katis hat den Jungs jenen geheimnisvollen Sound spendiert, mit dem er auch The National und Interpol so elegant unnahbar wirken ließ. Dieses Album hat großartige Momente der Einfachheit und etwas von jenem Bio-Schwulst, den man gelegentlich sehr gut vertragen kann.

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