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Die CDs der Woche - Popkolumne:Disney-Soul und heiliger Zorn

Album "Where Does This Door Go" von Mayer Hawthorne

Das Album "Where Does This Door Go" von Mayer Hawthorne bietet gehaltvolles Easy-Listening für Cabriofahrer.

(Foto: Universal)

Mayer Hawthorne protzt mit modernem Motown-Sound und der Piano-Pop von Bell X1 heilt Seelenwunden. Deap Vally dagegen setzt sich ernsthaft mit dem Verzerrer-Pedal auseinander und hinterlässt ein Mikado aus gesplitterten Drumsticks. Die Popkolumne - zum Lesen und zum Hören.

Von Max Scharnigg

Mayer Hawthorne

Die Telefonnummer von Pharrell Williams gehört in diesen Monaten zu den heiligsten Besitztümern der Popkultur. Er hat in kurzer Zeit Daft Punk und Robin Thicke Nummer-Eins-Singles beschert, und dürfte nun auch Mayer Hawthorne weit nach vorne befördern. Williams hat momentan den Griff, der aus einer ordentlich schunkelnden Nummer einen groovenden und trotzdem federleichten Radiobouncer macht. Und Hawthorne hat dafür viel brauchbares Ausgangsmaterial mitgebracht.

Schon seine ersten beiden Alben hatten ihn ja als überaus vielseitigen Milchbubi des Soul etabliert. Auf "Where Does This Door Go" (Universal) wird jetzt richtig geprotzt, seine moderne Auffassung eines Motown-Sounds lässt nahezu alles zu: absolute Old-School-Bretter wie "Back Seat Lover", dann wieder Retro-Beatpop wie bei "Stars are Ours", dazwischen immer gerne ein bisschen Funk und Jackson-Disco.

Dieses Album funkelt jedenfalls geradezu krampfhaft in alle Richtungen, und weil Hawthorne weiß, dass seine hohe Stimme nicht als Alleinstellungsmerkmal taugt, verwendet er viel Mühe auf eine wunderbare Ausstattung der Songs.

Für den Hörer ist das gut, denn jedes Lied hebt sich hier trennscharf vom nächsten ab, so dass die immerhin 14 eineinhalb Musikeinheiten ganz und gar kurzweilig vergehen. Insgesamt gehaltvolles Easy-Listening für Cabriofahrer, vielleicht etwas viel Disney-Soul - aber an heißen Tagen schmilzt alles andere sowieso.

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