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Die CDs der Woche - Popkolumne:Auf das ewige keimfreie Leben!

Die Anti-Gaga ? Kate Bushs wundersame Winter-Lieder

Kate Bush hat am Dienstagabend im Londoner Hammersmith Odeon ihr erstaunliches Live-Comeback eingeläutet.

(Foto: dpa)

Kate Bush möchte bei ihrem Live-Comeback keine Handykameras, was für ihre reife Weisheit spricht. Die Bohnenstangen der Indiepop-Band Zoot Woman sind noch immer am Synthesizer, aber das Weitermachen hat sich gelohnt. Die Popkolumne - zum Lesen und Hören.

"Es würde mir viel bedeuten, wenn Sie während der Show das Fotografieren oder Filmen unterlassen. Ich möchte gerne direkt in Kontakt mit dem Publikum treten, ohne iPhones, iPads oder Kameras dazwischen. Das ist viel verlangt, ich weiß, aber nur so ist ein gemeinsames Erlebnis möglich." So steht es im Moment auf der Homepage von Kate Bush, die am Dienstagabend mit dem ersten von 22 Konzerten im Londoner Hammersmith Odeon ihr erstaunliches Live-Comeback eingeläutet hat. Eine kluge Frau, eine große Weisheit, die sich gerne durchsetzen darf.

Sie sei auch ausgenommen, wenn wir kurz darüber nachdenken, ob man nicht ein Verfallsdatum im Pop einführen sollte? Ein Rentenalter, eine Tauglichkeitsprüfung, irgendetwas dieser Art.

Das Problem ist, dass ständig jemand dazukommt, quereinsteigt, die Alten aber trotzdem alle immer weiter machen. Beim gewissenhaften Plattenkonsumenten stellt sich deshalb eine gewisse Wiedergänger-Müdigkeit ein und im Falle der britischen Indiepop-Band Zoot Woman ist die besonders stark.

Wie ein gekühlter Energydrink

Echt, die Bohnenstangen immer noch am Synthesizer? Was da vom neuen Album aus den Boxen kommt ist dann auch ein Kickback, ein Blick zurück nach 2001, aber die Twin Towers stehen noch. Damals beamten sich die Briten mit der makellosen Elektroclashigkeit von "Living in a Magazine" ins Rampenlicht und beendeten das Schluffie-Jahrzehnt mit Laserkanonen.

Seitdem hat die Band in großen Abständen ihre Idee verfolgt, unbeeindruckt von den schwankenden Kursen für Elektropop, und ihr Stil wirkte zwischenzeitlich schon sehr korrodiert. Aber das Weitermachen hat sich gelohnt, das neue Album "Star Climbing" (Warner) geht runter wie ein gekühlter Energydrink, den man eigentlich längst nicht mehr trinkt, der aber gerade deswegen sehr gut schmeckt.

Die Blake-Brüder sind in Würde gealtert und zocken jetzt kunstsinnig mit den Sparks und Pink Floyd um das ewige, keimfreie Leben. Vier Jahre Arbeit an dem Werk hat begeisternde Momente auf die Festplatte bugsiert. Zum Beispiel "The Stars Are Bright", eine Nachthymne, eine Strobo-Rutsche. Es ist das Gegenteil der Retro-Clubmusik von, sagen wir: Pharrell Williams. Zoot Woman menscheln nicht. Und jeder tanzt dazu allein.

Beat und Zartheit

Ebenfalls schon lange im Geschäft, aber immer wieder prickelnd sind die Stars aus Toronto. Auf Soundcloud kann man den einigermaßen sagenhaften Song "From The Night" hören, die erste Aussicht auf die neue Platte des Duos, die für den Herbst angekündigt ist. Wenn nicht alles täuscht, wird das Album die schönste Brücke zwischen Kate Bush und Zoot Woman, bringt Beat und Zartheit, Song und Struktur. Speicherplatz freihalten!

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Und was ist hierzulande los? Eine Humor-Indie-Band namens Supergaul veröffentlicht das Album "Musik für Menschen mit oder ohne Penis" - und auf Platz eins der Albumcharts steht, halleluja, die Ur-Metal-Band Accept aus Solingen. Irre & Altlasten. Kate, wir kommen!

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