"Die beste Idee Deutschlands" Deutschland sucht den Super-Klappstuhl

Flaschensammler, Zahnputzhilfe, Warnwürfel: Es darf wieder gecastet werden. Nichts Geringeres als "Die beste Idee Deutschlands". Eine kleine Nachtkritik.

Von Katharina Riehl

Also gut, die Zeiten sind schlecht. Sehr schlecht. Die Werbeblöcke werden kürzer, die Fingerchen, mit denen sich die Medienmacher der Republik an ihren übergroßen Cappuccino-Tassen festklammern, werden dünner.

Jury in Stimmung: Alexander Walzer, Barbara Eligmann und Michael Michalsky (v.l.n.r.)

(Foto: Foto: Sat.1)

Da müssen Ideen her, gute Ideen. Vielleicht sogar die beste Idee Deutschlands. Was kann das sein? Na? Eine Castingshow! Da muss man draufkommen. Weil aber alle dünnen Frauen der Republik schon einmal komplett durchgecastet sind, sollen keine Models, Sänger und Schauspielerinnen gesucht werden. Sondern eine Erfindung: die beste Idee Deutschlands.

Im Finale sind aus 3000 Bewerbungen unter anderem noch die Still-Vorrichtung, der PET-Flaschensammler, die optische Zahnputzhilfe und der Warnwürfel (ein Warndreieck mit einer zusätzlichen Ecke) übrig - zehn Finalisten kämpfen mal wieder um die Chance ihres Lebens: Jeder hat eine Minute Zeit, seine Erfindung in einer stark an Homeshopping Europe erinnernden Live-Werbesendung einer Jury anzupreisen. Zu gewinnen gibt es 50.000 Euro.

Während die Moderatoren Alexander Mazza und Nadine Krüger nicht recht wissen, was sie mit den Kandidaten reden sollen ("Summsummsumm, die Zeit ist um") sitzen da auch noch die ehemalige RTL-Explosiv-Kaltschnauze Barbara Eligmann, Modedesigner Michael Michalsky und Discount-Markt-Besitzer Alexander Walzer hinter dem unvermeidlichen Jury-Pult.

Man mag fast an eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in Krisenzeiten glauben, so wenig wird klar, was diese Jury da eigentlich soll: Zu jeder Erfindung gibt es einen nur leicht variierenden Satz, vom Topdesigner mit einem Hauch Anglizismus (Super, form follows function, simple und so!), vom "Ramba-Zamba-Markt"-Besitzer eher mit einem Hauch Restpostenverkauf. Über den Sieger entscheidet dann aber das Publikum. Per Telefon-Voting natürlich, 50 Cent pro Anruf. Kein Ramba-Zamba-Discount-Preis, aber irgendwie müssen diese fünf Menschen auf der Bühne ja bezahlt werden.

Jurorin Eligmann gibt der Sendung den nötigen pädagogischen Anstrich: "Sind Glasflaschen nicht umweltfreundlicher als Plastik?", fragt sie den Erfinder der Tragevorrichtung für PET-Flaschen. "Aber", räumt sie ein, "ist zu Fuß gehen nicht auch umweltfreundlicher als Autofahren? Und was tun wir jeden Tag?" Na, wenn Barbara Eligmann jeden Tag Auto fährt, müssen wir ja auch unseren Müll nicht mehr trennen.

Nach mehr als einer Stunde ist der Großteil der Kandidaten aufgetreten. Nadine Krüger attestiert dem Mini-Klappstuhl-Erfinder Christian kurz vor seinem Auftritt, der "Inbegriff der Gelassenheit" zu sein. Könnte aber auch daran liegen, dass die letzten 90 Minuten sterbenslangweiliger Dauerwerbesendung komatös auf ihn gewirkt haben.

Und dann ist da plötzlich noch ein Herr: Bernd Schneider, der Mann, der die Erfindungen der Teilnehmer gewinnbringend auf den Markt bringen wird. Denn in Krisenzeiten muss man flexibel sein, auch Fernsehsender müssen Möglichkeiten erwägen, noch auf anderen Wegen, ein bisschen Geld zu verdienen: Alle Teilnehmer haben ihre Idee und alle gewerblichen Schutzrechte der niederländischen Stiftung "Het Beste Idee van Nederland" übertragen - dem Namensgeber für die seit fünf Jahren im Nachbarland laufenden Show.

In der letzten Viertelstunde kommt endlich noch ein bisschen Klum-Stimmung auf. Die Musik wird dramatisch, das Licht spärlich, Alexander Mazza und Nadine Krüger machen lange Pausen beim Sprechen.

Gewonnen hat am Ende der Warnwürfel. Komisch. Wo die beste Idee Deutschlands doch ganz klar der kleine rote Knopf rechts oben auf der Fernbedienung ist.