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Diane Kruger im Interview:"Es gibt mehr Auswahl"

Können Sie Ihre Filmcharaktere privat schnell wieder ablegen?

Das kommt auf den Film an. Bei "Aus dem Nichts" fiel mir das sehr schwer, danach habe ich monatelang nichts gearbeitet und bin in ein schwarzes Loch gefallen. Diese Dreharbeiten hatten mich sehr mitgenommen.

Mit Fatih Akin wollen Sie aber trotzdem bald wieder drehen, man munkelt, es soll um Marlene Dietrich gehen...

Ja, dieses Projekt ist in der Entwicklung, wir arbeiten am Drehbuch und wollen das auf jeden Fall machen. Details möchte ich aber noch nicht verraten.

Sie sind nun schon ein Weilchen im Geschäft, haben auf der ganzen Welt gedreht. Wie hat sich die Filmindustrie verändert, seit Sie dabei sind?

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Als ich angefangen habe, war die Kinolandschaft insgesamt noch deutlich bunter, zumindest in den USA, wo heute ja fast nur noch Superheldenfilme gedreht werden. Das gilt zumindest für das Mainstreamkino. Trotzdem ist es gerade heute sehr aufregend, als Schauspielerin zu arbeiten, weil durch Netflix, Amazon und andere neue Anbieter so viel produziert wird wie niemals zuvor. Das heißt, es gibt nicht nur mehr zu spielen, also mehr Jobs, sondern auch viele qualitativ hochwertige Projekte. Es gibt mehr Auswahl.

Sie bekommen mehr Angebote als früher?

Auf jeden Fall. Wobei das natürlich nicht nur an der Filmindustrie liegt, sondern auch daran, dass ich mich entwickelt habe. Damals habe ich nicht so viele tolle Projekte angeboten bekommen wie seit "Aus dem Nichts".

Aber Sie waren doch schon davor jahrelang bestens im Geschäft!

Ja, aber "Aus dem Nichts" hat trotzdem viel verändert. Der Film war überhaupt der größte Karrieresprung, den ich je gemacht habe. Die Auszeichnung als beste Schauspielerin beim Filmfestival in Cannes hat viel verändert für mich, wie die Menschen mich wahrnehmen.

Kommen die Angebote gleichermaßen aus den USA, Frankreich und Deutschland oder aus einem Land besonders?

Merkwürdigerweise kommt aus Deutschland immer noch am wenigsten. Seit "Aus dem Nichts" hatte ich vielleicht zwei, drei Angebote von hier. Die haben mich dann aber nicht so begeistert, dass ich zugesagt hätte. Dabei würde ich mich freuen, wenn mehr aus Deutschland käme.

Und wie steht es im Superheldenfilmland USA, haben Sie schon Angebote von Marvel bekommen?

Nicht wirklich. Ich würde prinzipiell auch gar nicht Nein sagen, aber ich glaube, ich bin zu alt für diese Filme.

Also bitte!

Doch wirklich. Wobei, die böse alte Comic-Hexe könnte ich vielleicht noch spielen.

Was ist der wichtigste Ratschlag, den Sie als Schauspielerin bekommen haben?

Es ist kein Sprint, sondern ein Marathon! Das hat Ed Harris mal zu mir gesagt, wenn ich mich recht entsinne.

Das gilt vermutlich nicht nur fürs Filmemachen.

Klar. Es gibt Höhen und Tiefen, und man muss lernen durchzuhalten.

Wann haben Sie das erste Mal in der Praxis gelernt, dass das Leben kein Sprint ist, sondern ein Marathon?

Als "Troja" ins Kino kam, weil der Film in Amerika nicht so aufgenommen wurde, wie ich mir das gewünscht hatte. Es gab sehr viele negative Kritiken, für den Film, für mich. Und ich hatte unterschätzt, was für Rollen einem angeboten werden, nachdem man Helena von Troja gespielt hat, die schönste Frau der Welt. Damals fühlte es sich so an, als sei meine Karriere vorbei, nachdem sie gerade erst angefangen hatte. Es gab definitiv Momente, in denen ich dachte, oh je, ich lasse es lieber sein.

Und dann?

Bin ich nach Frankreich zurück, wo ich Filme machen konnte, wie ich sie machen wollte. Es hat ein paar Jahre gedauert, aber durch diesen Weg habe ich auch in den USA irgendwann wieder andere Rollen jenseits des Helena-Schemas bekommen.

Gehen Sie selbst noch viel ins Kino?

Ich versuche es zumindest, bestimmte Filme muss man einfach im Kino sehen. Ansonsten hänge ich aber vor Netflix und betreibe Binge-Watching wie alle anderen auch.

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