Es ist ein Glück, wenn man über ein erregungsträchtiges Thema ein Buch zu lesen bekommt, das nicht nur seriös gearbeitet ist, sondern auch eine gewisse Leichtherzigkeit ausstrahlt. Dieses seltene Kunststück ist dem Kirchenhistoriker Diarmaid MacCulloch mit seiner Sexualgeschichte des Christentums gelungen, obwohl er als langjähriges Mitglied des Gay Christian Movement Anlässe für Empörung und Zorn gesammelt haben dürfte. Aber auch als „beteiligter Beobachter“ ist er vor allem von Wissbegier angetrieben. Deshalb sieht er davon ab, Historisches sofort vom eigenen, heutigen Standpunkt aus zu be- und verurteilen. Er lässt dem Vergangenen dessen Fremdheit und macht es so zum Spiegel, in dem man der eigenen Begrenztheit und Bedingtheit ansichtig wird.
SachbuchEs gibt die eine christliche Sexualmoral nicht
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In seinem famosen Buch „Niedriger als die Engel“ erzählt der Kirchenhistoriker Diarmaid MacCulloch die Geschichte des Christentums als Abfolge von sexuellen und antisexuellen Revolutionen. Ende: offen.
Von Johann Hinrich Claussen
