Diane Kruger "Eine so starke Frau spielen zu dürfen, war ein Geschenk"

Eine Französin, die im Wilden Westen lernt, auf eigenen Beinen zu stehen: Diane Kruger (rechts) mit Norman Reedus in "Sky - Der Himmel in mir".

(Foto: Alamode Film)

In "Sky - Der Himmel in mir" spielt Diane Kruger eine Frau, die endlich versucht, auf eigenen Füßen zu stehen. Für die Schauspielerin eine Herzenssache, für die sie einige Opfer gebracht hat.

Interview von Paul Katzenberger

Die Französin Romy, gespielt von Diane Kruger, nimmt sich mit ihrem Mann Richard (Gilles Lellouche) in Nevada eine Auszeit, um die angeschlagene Ehe zu retten. Doch das misslingt gründlich: Nachdem Richard sie im Suff sexuell bedrängt, flüchtet Romy. Spontan kauft sie sich ein Auto und fährt hinaus in die Weite des Landes, bis sie den Ranger Diego (Norman Reedus) trifft, mit diesem einen One-Night-Stand hinlegt und sich auf seiner abgelegenen Ranch einnistet. Das Wildwest-Roadmovie "Sky - Der Himmel in mir" konnte nur durch Krugers Netzwerk in Hollywood vor der imposanten Kulisse Nevadas verwirklicht werden. Die Landschaft bildet den perfekten Hintergrund für eine Geschichte, die vom Neustart im Leben handelt.

SZ.de: Die Romy, die Sie im Film darstellen, ist eine Frau auf der Suche nach sich selbst. Warum muss sie sich in den USA finden?

Diane Kruger: Sie ist zunächst dort, weil sie versucht, ihre Ehe zu retten. Nachdem sich das dann anders ergibt, bleibt sie einfach da, um nicht zurück ins alte Leben gehen zu müssen.

Das ist ein denkbarer Grund. Dennoch hätten die meisten Menschen in ihrer Situation anders gehandelt, sich ohne Geld in ein völlig neues Leben zu werfen. Gab es weitere Gründe, die für Amerika sprachen?

Ich denke, es war der Gedanke, dass man sich in den Vereinigten Staaten neu erfinden kann. Dieser amerikanische Traum ist weiterhin noch sehr vorhanden - gerade bei den Menschen, die nach Amerika emigrieren. Außerdem ist es nun mal ein sehr fotogenes Land. Diese Wüste, dieses Öde, eignet sich sehr gut, das Alleinsein des Menschen darzustellen.

Sie leben mittlerweile hauptsächlich in den USA. Wie haben Sie sich den Blick von außen auf das Land erhalten, den diese Geschichte zeigen will?

Dafür war in erster Linie Fabienne (Regisseurin Fabienne Berthaud; Anm. d. Red.) zuständig. Sie ist zu mir nach Los Angeles gekommen, sie hat die Reise, die Romy in dem Film macht, also auch unternommen. Ich habe sie da bewusst alleine fahren lassen, denn ich glaube, dass ich die USA mittlerweile anders sehe als sie. Auf der anderen Seite habe ich sie ein bisschen gebremst, allzu sehr in die Klischees zu gehen.

Klischeehaft wirkt der Film tatsächlich nicht. Die Bilder sind vielmehr nicht so glatt, wie man es aus anderen Road Movies des US-Kinos kennt.

Glücklicherweise inzwischen nicht mehr. Am Anfang lieh sich meine Figur einen Mustang Cabriolet und alle Autos im Film waren Vintage. So gibt es das gar nicht mehr. Da habe ich sie schon ein bisschen von ihrer Idee runtergeholt, was Amerika ist. Die Europäer haben eine Romanze von Amerika im Kopf: Indianer, gewisse Autos, wie man sich das auf der Postkarte vorstellt. Das ist natürlich nicht der dortige Alltag.

Romy kauft sich einen Plymouth Fury. Dieses Modell ist das amerikanische Pendant zum VW Käfer, also die Verwirklichung des Traums von der Mobilität für Kleinbürger.

Ja, so ist es. Ich dachte mir, dass es realistisch sein muss: Wenn man sich ein Auto für 1000 Dollar kauft, dann kann das nur so ein altes Ding sein. Es ist dann auch fünftausend Mal liegen geblieben.

Das passt ganz gut zu dem, was dieser Film auch zeigt: das Trash-Amerika.

Das ist nun mal auch ein Teil der Realität. Der Unterschied zwischen Reich und Arm ist in den USA sehr ausgeprägt, und ich bin mir nicht sicher, ob das ein Amerikaner so ins Bild gesetzt hätte wie Fabienne. Das ist eine Seite des Landes, die Amerikaner nicht unbedingt zeigen würden.

In "Sky" sind viele Konnotationen zum Tod und sein Ende ist sowohl hoffnungsvoll als auch traurig. Warum so viel Seelenschmerz?

So ist das Leben. Alle Filme von Fabienne beschäftigen sich sehr damit - das Ende von Liebe, das Ende von Leben und der Beginn von neuem Leben. Es stellen sich nun mal elementare Fragen, die nicht unbedingt nur schön sind. Sie zeigt menschliche Seiten, die auch hässlich sein können, die wir nur allzu gerne ausblenden. Doch ich mag dieses Kino sehr gerne.