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Deutscher Jazzpreis:Karsten Jahnke für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Konzertveranstalter Karsten Jahnke für Lebenswerk ausgezeichnet

Live-Gratulationen von Herbie Hancock: Karsten Jahnke beim Deutschen Jazzpreis.

(Foto: Fynn Freund/dpa)

Zu den weiteren Preisträgern gehören Markus Stockhausen, Eva Kruse und Julia Hülsmann. Der neu geschaffene Preis leidet allerdings noch etwas unter Geburtswehen.

Von Oliver Hochkeppel

Der Hamburger Konzertveranstalter Karsten Jahnke hat am Donnerstag in Hamburg den "Deutschen Jazzpreis" für sein Lebenswerk erhalten. Mit der Auszeichnung würdigt die Jury "das jahrzehntelange Wirken eines großen Musikliebhabers und -kenners für den Jazz in Deutschland". Der neu geschaffene Preis war als Livestream aus einem Hamburger Fernsehstudio und drei Jazzclubs in München, Mannheim und Berlin verliehen worden. Er ist der Nachfolger des "Echo Jazz", der 2018 im Zuge des Skandals um die Rapper Kollegah und Farid Bang bei den Pop Echos abgeschafft worden war. Um "das Scheinwerferlicht auf die Vielfalt, Kreativität und kommunikative Kraft des Jazz" zu richten, wie es Kulturstaatsministerin Monika Grütters formulierte, hatte man lange an vielen Stellschrauben gedreht.

Aus einem vom klammen Bundesverbands der Musikwirtschaft undotiert vergebenen Preis wurde so unter anderem ein von der Bundesregierung und der Initiative Musik vergebener Award - ausgestattet mit jeweils 10 000 Euro. Zur Wahl standen außerdem nicht mehr nur von den Labels eingereichte, sondern auch von einer Fachjury vorgeschlagene Künstler. Außerdem versuchte man sich mit Einblendung jeweils drei Nominierter an so etwas wie Oscar-Flair.

Unter den Gewinnern sind - im Vergleich zu früher - viele Frauen

Das klappte zumindest bei der ersten Preisträgerin Lucia Cadotsch: Sie brach bei ihrer Dankesrede in Tränen aus, als sie erzählte, wie lange sie nun schon Kollegen und Konzerte vermisst. Emotionen, die in den folgenden Dreieinhalbstunden eher die Ausnahme blieben, bis am Schluss Herbie Hancock live aus den USA Karsten Jahnke zum Preis für das Lebenswerk gratulierte.

Zu den weiteren Preisträgern gehörten unter anderem Trompeter Markus Stockhausen, die Bassistin Eva Kruse, das Julia Hülsmann Quartett oder die Newcomerin Mirna Bogdanović - eine slowenisch-bosnische Jazzmusikerin, die seit einigen Jahren in Berlin lebt.

Nimmt man allerdings die Klickzahlen des Streams als Maßstab, war die erste Ausgabe des Jazzpreises ein bescheidener Anfang. Von der allzu biederen, allzu Insider-orientierten Präsentation bis zur Aufblähung auf 31 Kategorien durch die Doppelung "nationaler" und "internationaler" Preisträger - man wird weiter an den Stellschrauben drehen müssen.

© SZ/biaz
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