Deutscher Film aus dem Jahr 1955 auf SKY Cinema"Nicht mehr fliehen" von Herbert Vesely

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(Foto: N/A)

Von Fritz Göttler

Sie sind ein seltsames Paar, die blonde unnahbare Frau - strenge Züge, elegante Roben, hochhackige Schuhe - und der schwarzgelockte Spanier Gerard, ihr Chauffeur und Diener. Sie sind in einem alten, verbeulten Militärlaster unterwegs, der plötzlich seinen Geist aufgegeben hat, mitten in der Wüste. Sie sind am Ende, müssen schauen, wie sie sich einrichten. Gleise, die ins Nichts führen, ein Turm, ein Kran, Häuser, die nicht mal feste Wände haben. Soll ich das Gepäck bringen, fragt der Mann. Die Frau parliert, wenn sie nicht schweigt, am liebsten Französisch.

"Nicht mehr fliehen", 1955, ist der erste ,Spiel'-film von Herbert Vesely, ein Film, der in seine Zeit nie passen wollte. Seit Jahrzehnten ist er nicht zu sehen, nun gibt es ihn am Sonntag auf Sky Cinema Classics um 22 Uhr. Er steht am Ursprung dessen, was man wenig später unter dem Begriff "Junger Deutscher Film" sammelte - Kluge, Schlöndorff, Schamoni. Die wagemutige Produktionsgesellschaft "Filmaufbau" von Hans Abich hatte dem jungen Mann aus Wien carte blanche gegeben, Cocteau, Camus und de Chirico hätten ihn inspiriert, erklärte Vesely. 1962 war er einer der Unterzeichner des Oberhausener Manifests. In den Jahren darauf schaffte er kein größeres Filmprojekt, erst in den Siebzigern wieder, einen Film nach Peter Handke und einen über Egon Schiele.

"Nicht mehr fliehen" ist ein film noir aus der Wüste. Die Hitze drückt auf alle Bilder, aber die Konturen sind mit eiskalter Präzision gezogen. Sapphire heißt die einsame Diva, die alle femmes fatales aus Hollywood vergessen lässt, sie wird verkörpert von Veselys Frau Xenia Hagmann. Sie hat, sagt er. "jene atemberaubende Schönheit, die in der äußersten Strenge der gebundenen Form liegt und die etwas von Terror an sich hat."

Der Schrecken des Films ist natürlich die Angst vor der Atomkatastrophe. Selbst im Nirgendwo der Wüste sind die Schatten des Totalitären zu spüren. "Zeit und Raum beginnen bei Null ... Stunde Null, oder besser: Mikrosekunde Null." Eine Exkursion ins Reich des Absurden. An jenen Moment, da Sisyphos den Berg hinabsteigt, um den Fels erneut hochzustemmen. Der Moment, da auch im Kino wirkliche Action abläuft.

© SZ vom 02.10.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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