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Deutscher Buchpreis:Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis

Deutscher Buchpreis 2015 - Finalisten

Die nominierten Autoren Jenny Erpenbeck (oben, l-r), Ulrich Peltzer, Inger-Maria Mahlke sowie (unten, l-r) Frank Witzel, Monique Schwitter und Rolf Lappert.

(Foto: dpa)

Heute Abend ist es soweit: Die Jury gibt den Gewinner des Buchpreises bekannt. Oder die Gewinnerin? Diese sechs Titel stehen auf der Shortlist.

Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2015 steht fest. Aus den 20 Titeln der Longlist sind sechs Finalisten nominiert worden: Jenny Erpenbeck mit "Gehen, ging, gegangen" (Knaus Verlag), Rolf Lappert mit "Über den Winter" (Hanser), Inger-Maria Mahlke mit "Wie Ihr wollt" (Berlin Verlag), Ulrich Peltzer mit "Das bessere Leben" (S. Fischer), Monique Schwitter mit "Eins im Andern" (Droschl) und Frank Witzel mit "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" (Matthes & Seitz).

Die Jury hat einen starken Akzent auf Romane gelegt, in denen sich politische, soziale und ökonomische Krisen in individuellen Lebenskrisen spiegeln. Jenny Erpenbeck konfrontiert einen alternden Professor mit Flüchtlingen in Berlin-Kreuzberg des Jahres 2014, Ulrich Peltzer nutzt die Erzähltechniken des Bewusstseinsromans und die alte Tradition des Teufelspaktes, um die Welt der international agierenden Firmen darzustellen. Und Frank Witzels manisch-depressiver Teenager ruft die Innenwelten der alten Bundesrepublik der frühen Siebzigerjahre auf. Feridun Zaimoglus Istanbul-Roman "Siebentürmeviertel", Ilija Trojanows Recherche zur bulgarischen Stasi "Macht und Widerstand" blieben in der Konkurrenz der zeitgeschichtlich-politischen Stoffe ebenso auf der Strecke wie Alina Bronskys Tschernobyl-Besuch "Baba Dunjas letzte Liebe".

Dass drei Frauen und drei Männer unter den Finalisten sind, wird Zufall sein, fällt aber auf, weil im vergangenen Jahr lang und breit über den Frauenanteil diskutiert wurde. Beim Buchpreis konkurrieren Autoren aus der Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz miteinander. Ein sehr origineller österreichischer Autor, Clemens Setz, hat es mit seinem 1000-Seiten-Werk "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" - auch ästhetisch ein Schwergewicht - leider nicht auf die Shortlist geschafft. Gleich doppelt ist die Schweiz vertreten: mit Rolf Lappert, dessen Familienroman "Über den Winter" nach Hamburg führt, und mit Monique Schwitter, deren autobiografische Ich-Erzählerin in "Eins im Andern" ihre verflossenen Geliebten unter Apostelnamen auftreten lässt. Mit kühler Eleganz vertritt Inger-Maria Mahlkes Kammerspiel "Wie Ihr wollt" über das elisabethanische England den historischen Roman.

Im letzten Jahr gewann Lutz Seiler mit "Kruso" den mit 25 000 Euro dotierten Preis. Sein Nachfolger wird am 12. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römer ausgezeichnet.