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·:Deutsche Kulturvermittlerin in Bagdad entführt

Hella Mewis

(Foto: Ali Al_Mikdam/Twitter; Bearbeitung SZ)

Sicherheitskräfte haben die Suche nach der Kuratorin Hella Mewis aufgenommen. Wer die Täter sind, ist noch unklar.

Unbekannte haben in der irakischen Hauptstadt Bagdad die deutsche Kuratorin und Kulturvermittlerin Hella Mewis entführt. Das irakische Innenministerium hat die Entführung inzwischen bestätigt. Sicherheitskräfte suchten nach der Frau, sagte ein Sprecher am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Deutsche Kulturvermittlerin in Bagdad entführt

Hella Mewis arbeitete in Bagdad am Aufbau des Kulturinstituts Bait Tarkib, das die Arbeit junger irakischer Künstler fördern will.

(Foto: Zhang Miao/dpa)

"Wir wissen nicht, wer sie entführt hat. Wir haben die Sicherheitsbehörden informiert", sagte Dhikra Sarsam, eine Freundin von Mewis, der dpa am Dienstag. Derzeit würden Aufzeichnungen von Überwachungskameras untersucht.

Unbekannte Männer hatten Mewis laut Aktivisten am Montagabend gegen 20 Uhr (Ortszeit) in Nähe des Kulturinstituts Bait Tarkib entführt, das die Arbeit junger irakischer Künstler fördern will. Die in Berlin geborene Mewis arbeitete am Aufbau der Organisation und zeitweise auch für das Goethe-Institut. Die Entführung in dem zentral gelegenen Stadtteil Abu Nawas sei überraschend, sagte Sarsam. In der Gegend liegen verschiedene Regierungsgebäude. Sarsam ist Aktivistin und arbeitet für die Nichtregierungsorganisation Burj Babel. "Hellas Entführung ist ein menschliches Desaster", sagte Sarsam. "Ich habe vor einer Woche mit ihr telefoniert." Mewis habe gute Beziehungen zu Künstlern, Intellektuellen und Demonstranten im Irak und habe dort seit 2010 zu vielen Veranstaltungen beigetragen.

Vor zwei Wochen wurde ein politischer Analyst erschossen

Moderne Kunst hat im Irak teils einen schweren Stand. Viele irakische Künstler leben im Ausland. Der in Deutschland lebende irakische Schriftsteller Najem Wali beschrieb Mewis im Magazin Spiegel im Jahr 2017 als Frau, die entgegen irakischer Konventionen in Cafés geht, ihr Haar offen trägt und nur selten zum Kopftuch greift. An der Uferstraße am Tigris habe sie 2016 eine Frauenfahrrad-Demonstration organisiert. Mewis habe Kontakte in die Politik und sei gut vernetzt.

Vor zwei Wochen hatten Unbekannte in Bagdad den international anerkannten politischen Analysten Hischam al-Haschimi in der Nähe seiner Wohnung erschossen. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. In den irakischen Medien richtete sich der Verdacht vor allem gegen die irantreue schiitische Miliz Kataib Hisbollah und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Al-Haschimi galt als einer der besten Kenner extremistischer Gruppen im Irak. Er äußerte sich häufig kritisch zu proiranischen Milizen im Land und war als Regierungsberater tätig.

© SZ/dpa/khil
Mark Terkessidis

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