Dessauer Bauhaus-Stiftung Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt muss gehen

Philipp Oswalt, Direktor der Dessauer Bauhaus-Stiftung, muss gehen.

Endgültiger Beschluss: Der Stiftungsrat des Bauhaus Dessau will die Stelle von Direktor Philipp Oswalt neu ausschreiben. Das Vertrauen sei gestört. Der wissenschaftliche Beirat des Stiftungsrates protestiert gegen die Entscheidung - und tritt geschlossen zurück.

Es bleibt dabei: Der Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, Philipp Oswalt, muss seinen Posten zum 1. März 2014 räumen. Der Stiftungsrat hat am Freitag endgültig einstimmig eine Neuausschreibung der Stelle beschlossen - nach intensiver Diskussion, wie Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) nach der Sitzung sagte.

Der wissenschaftliche Beirat der Stiftung nannte die Entscheidung einen Skandal. "Wir werden unverzüglich ausschreiben, das geht nächste Woche los", sagte Dorgerloh. Er ist Vorsitzender des Stiftungsrates. "Ein Vertrauensverhältnis ist zwischen dem Stiftungsrat und dem Direktor unabdingbar, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen", so Dorgerloh. "Das Vertrauensverhältnis ist nicht zerstört, aber es ist beschädigt", fügte er hinzu.

Die Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates des Stiftungsrates, Franziska Bollerey, sagte: "Wir sind nicht einverstanden mit der Entscheidung. Wir sehen keinen besseren Mann als Oswalt". "Nach diesen ganzen Skandalen werden sich die Bewerber sehr genau überlegen, ob sie sich hier bewerben", sagte ihr Stellvertreter, Hartmut Böhme.

Wissenschaftlicher Beirat des Stiftungsrates tritt zurück

Im Anschluss trat der gesamte wissenschaftliche Beirat des Stiftungsrates aus Protest zurück. Die ausschließlich politischen Begründungen der Nicht-Verlängerung seiner Stelle"desavouiert" auch die Arbeit des Beirats, wie das Gremium mitteilte. Dem wissenschaftlichen Beirat gehören zehn Kunst-, Design- und Architekturexperten aus dem In- und Ausland an. Er berät den Stiftungsrat ehrenamtlich, hat nach eigenen Angaben aber kein Stimmrecht im Stiftungsrat.

Oswalt werde sich vorerst nicht zu der Entscheidung des Stiftungsrates und zu seiner beruflichen Zukunft äußern, sagte sein Sprecher. Der Architekt und Publizist Oswalt ist seit 2009 Stiftungsdirektor. Der 49-Jährige gilt als unbequem. Kritiker werfen ihm mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Der Standort für den geplanten Bau eines Bauhausmuseums in Dessau-Roßlau war einer der Streitpunkte zwischen Oswalt und dem Stiftungsrat. Der Architekt wollte das Museum in der Nähe des Bauhauses haben.

Der Stiftungsrat hat in seiner Sitzung jedoch auch entschieden, dass das Museum an einem anderen Standort entstehen wird - in der Innenstadt von Dessau-Roßlau im Stadtpark, hieß es.

2019 steht Bauhausjubiläum an

Bereits im Spätsommer hatte sich der Stiftungsrat in einem schriftlichen Verfahren für eine Neuausschreibung der Direktorenstelle entschieden - was bereits zu Protest in der Kulturszene im In- und Ausland führte. Dieser auch damals einstimmig gefasste Beschluss sei bei der Sitzung nicht aufgehoben worden, sagte Dorgerloh. Der Stiftungsrat habe während der Sitzung "sehr ausdrücklich" die Verdienste von Oswalt bei der weiteren Entwicklung und Öffnung des Bauhauses gewürdigt, so Dorgerloh.

Zu den Aufgaben der Stiftung gehört es, das Erbe des Bauhauses zu bewahren, weiter zu erforschen und Wissen zu vermitteln. Dorgerloh betonte, wenn nicht jetzt die Stelle des Direktors neu ausgeschrieben werde, müsste dies genau zum Bauhausjubiläum 2019 geschehen, was der denkbar ungünstigste Zeitpunkt sei.

Das Bauhaus Dessau hat als Kunst- und Designschmiede weltweit den Ruf einer Ikone der Klassischen Moderne. Es gehört zum Unesco-Welterbe. Es wurde 1919 in Weimar gegründet und zog später nach Dessau um.