Design Franz Ehrlichs Monument

(Foto: Schnepp Renou)

Ein Künstlertrio hat dem Bauhaus-Architekten, Grafiker und Designer Franz Ehrlich ein Denkmal errichtet - aus seinen Möbeln.

Von Peter Richter

Gegen Franz Ehrlich verblassen andere Bauhaus-Biografien, und dass der Name nicht so bekannt ist, wie er es verdient hätte, ist nur einer der Gründe. Ein anderer ist der, dass Ehrlichs Möbel in der ostdeutschen Provinz immer noch für wenige Hundert Euro zu haben sind, während sie da, wo kennerschaftlich von "Midcentury Modern" die Rede ist, leicht Tausende kosten. Ehrlich war der Kommunist, der im KZ Buchenwald saß, die Inschrift "Jedem das Seine" im Tor anbringen musste, und dafür eine Schrift entwarf, die betont an den Bauhaus-Meister Joost Schmidt angelehnt ist. Diese Stilistik sollte er nach seiner Entlassung auch für die Zeitschrift "Neue Linie" weiter pflegen. Vielleicht, wer weiß, sogar in den Häusern der SS, die er als "Zivilhäftling" der Nazis einzurichten hatte; aber die haben sich nicht erhalten. Diese Beharrlichkeit macht ihm dann in der DDR wiederum Probleme. Ehrlich soll Stalin-stadt bauen und darf dann nicht, weil er sich dem Diktat des Neoklassizismus nicht beugt. Ehrlich darf, weil er sich hier ein bisschen beugt, das Funkhaus in der Berliner Nalepastraße bauen: das geheime Vorbild für die Art von Bühnenbildern, für die sich der Begriff des Marthalerhaften eingebürgert hat. 1954 hat ihn die Stasi im Sack. "Gestalt: untersetzt, Haar: etwas gelichtet" steht auf dem Verpflichtungsbogen von "IM Neumann". Die Typenmöbel, die er seit Anfang der Fünfziger entwirft, darf er, solange Formalismus ein Vorwurf ist, trotzdem nicht umsetzen. Die wurden erst im Zuge der Entstalinisierung zum Bestseller der Deutschen Werkstätten in Hellerau und prägten seitdem die Wohnungen des Landes und die Erinnerung der darin Aufgewachsenen. Von Schamlippen schrieb etwa Durs Grünbein in Gedenken an die Schubladengriffe der sogenannten Serie 602. "Ehrlich-Monument" nennen Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer und Frieder Bohaumilitzky die Superschrankwand, die sie im Deutschen Architekturzentrum Berlin aus Ehrlichs Möbeln zusammengetürmt haben (bis 29.7.). Irgendwann werden die drei Ehrlich-Forscher hoffentlich auch noch enthüllen, was das für Stadtentwürfe waren, mit denen der beschäftigungslose Architekt danach die Zeit bis zu seinem Tod 1984 füllte. Und warum er immerzu Geigen malte.