"Der unglaubliche Burt Wonderstone" im Kino Vollkommen durchdrehen

Mit famos toupiertem Haar und im Glitzerkostüm treiben Steve Carell und Steve Buscemi als Zauberer im Hexenkessel von Las Vegas ihr Unwesen. Bis in Gestalt von Jim Carrey ein neues Zeitalter droht. Eine ziemlich fiese Hollywood-Komödie über die flatterhafte Gunst des Publikums - mit Michael "Bully" Herbig.

Von David Steinitz

Die ganz harten Jungs zieht es natürlich nicht nach Hollywood oder an den Broadway, sondern ins ultimative Show-Inferno - in den Hexenkessel von Las Vegas. Die beiden Zauber-Buddys dieses Films zum Beispiel, die mit famos toupiertem Haar und in rote Glitzerkostüme gepackt an Schnüren auf die Bühne schweben, Abend für Abend, aus den Boxen tönt grell die Steve Miller Band, "Abracadabra". Nur im Saal unten macht sich gnadenlos die Leere breit.

"Der unglaubliche Burt Wonderstone" ist eine ziemlich fiese Komödie über die flatterhafte Gunst des Publikums und darüber, wie gemein inzwischen seine Gelüste geworden sind - kein klassisches Abrakadabra mehr, sondern Porno-Hokuspokus. Burt Wonderstone und sein Kumpel Anton Marvelton (Steve Carell und Steve Buscemi, eine grandiose Paarung) ziehen seit zehn Jahren die gleiche Zauber-Chose in einem von Vegas' großen Show-Tempeln durch. Als Kids hat sie der Zauberkasten eines berühmten Magiers verführt, mit ihm haben sie sich aus der High-School-Loser-Ecke verabschiedet.

Doch nur Anton hat sich über Tausende durchgrinster Show-Abende ein Mindestmaß an kindlicher Zauberfreude bewahrt. Burt ist zu einem veritablen Zyniker geworden, der mit überzeugter Lustlosigkeit die Mädels im größten Bett von Las Vegas flachlegt, nachdem er sisyphushaft den täglichen Auftritt absolviert hat. Bis die Zuschauer wegbleiben und der Hotel-Boss mit dem sprechenden Namen Doug Munny (James Gandolfini) den beiden ihre Show streicht - weil ein neues Zauber-Zeitalter angebrochen ist, verkörpert von Jim Carrey. Er spielt einen soziopathischen Borderline-Magier, der sich die Karte nicht mehr aus dem Ärmel zaubert, sondern blutig aus der Backe schneidet, und nicht über heiße Kohlen geht, sondern gleich auf ihnen schläft - die Internet-Kids lieben ihn dafür.

Übers Raubkatzenwesen dozieren

Zwei Generationen von Entertainment-Ansprüchen treffen hier aufeinander: Burt und Anton bedienen lustvoll-paillettiert die Achtziger-Nostalgie, die sich schon seit einer Weile breit macht im Kino, vor allem in Musicals und Remakes, das ultimative Jahrzehnt der großen Shows. Carreys Guerilla-Magie wiederum stellt die "Jackass"-Variante der Zauberkunst dar.

Don Scardino hat dieses Duell inszeniert, ein showerprobter Serienregisseur, bekannt vor allem für die Satire "30 Rock". Streng achtet er darauf, dass das Magier-Ethos gewahrt bleibt. Der Zauber frühkindlicher Prägung muss gewinnen, Burt seinen Zynismus ablegen. Der Film ist ein Herzensprojekt von Steve Carell, das er auch als Produzent betreut hat - längst gehört er zu den prägendsten Figuren im amerikanischen Comedy-Business.

Wie alle großen komischen Stars sorgt er dafür, dass er die richtigen Leute um sich sammelt - in diesem Fall gehört auch Michael "Bully" Herbig zu Burts Magierkollegen, sein Debüt im amerikanischen Kino, als eher unglücklicher Tigerzauberer im Siegfried-und-Roy-Stil. Abends hängt er mit anderen nicht mehr ganz frischen Vegas-Stars an der Theke, übers Raubkatzenwesen dozierend. Anders als der Ausnahmeakteur Christoph Waltz muss auch Bully die Balance aller deutschsprachigen Schauspieler in Hollywood (Til Schweiger bei Tarantino, Sebastian Koch bei Bruce Willis) absolvieren - sich dem Hollywoodprofessionalismus adaptieren und dennoch genug individuelles und nationales Profil bewahren.

Besonders bezaubernd an der Komiker-Parade ist allerdings Jim Carreys Rückkehr zu alter anarchistischer Form. Hier kann er endlich wieder das machen, wofür ihn die Farrelly-Brüder einst in "Dumm und Dümmer" besetzten, was er als "Ace Ventura" und "Cable Guy" perfektioniert hatte: vollkommen durchdrehen.

Wider den Porno-Hokuspokus

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The Incredible Burt Wonderstone, USA 2013 - Regie: Don Scardino. Buch: Jonathan M. Goldstein, John Francis Daley. Kamera: Matthew Clark. Mit: Steve Carell, Steve Buscemi, Olivia Wilde, Jim Carrey, James Gandolfini, Alan Arkin, Michael Bully Herbig. Warner, 100 Minuten.