"Der Mann aus dem Eis" Ötzis Kino-Debüt - ein Film für Hartgesottene

Ein Film wie ein Abenteuer: "Der Mann aus dem Eis" von Felix Randau.

(Foto: Locarno Festival/dpa)

Die bekannteste Mumie der Welt erobert die Leinwand - doch wie verfilmt man das Leben eines Steinzeitmenschen, über den so gut wie nichts bekannt ist? Mit Jürgen Vogel.

Von Rudolf Neumaier

Ötzi lag seit 5300 Jahren in den Ötztaler Alpen, als ein Bergsteiger-Ehepaar aus Nürnberg ihn fand. Seitdem beschäftigt diese faszinierende Gletschermumie Mediziner und Archäologen, Kriminologen und Autoren. In ihrem Oberkörper steckte ein Pfeil. Verfilmt hat Ötzis Geschichte bislang noch niemand. Wie denn auch, wo doch über sein Leben so gut wie nichts bekannt ist?

Den Filmemacher Felix Randau, 43, schreckte das nicht ab - im Gegenteil. Er schrieb über diesen Steinzeit-Menschen eine Geschichte , die sich so zugetragen haben könnte. Vielleicht. Pure Spekulation. Und so wurde dieses Projekt zu einem einzigen Abenteuer. Die Schauspieler kraxeln in Zottelfellen von Gipfel zu Gipfel. Franco Nero gibt einen prähistorischen Alm Öhi, Susanne Wuest eine pragmatische Ötzi-Frau und Jürgen Vogel einen fantastischen Ötzi, den ein Motiv durch die Handlung treibt: Vergeltung für den Mord an seiner Sippe.

Gesprochen wird in diesem Film so gut wie gar nicht. Und das, was diese Menschen stammeln, versteht niemand, weil es sich um eine reine Kunstsprache handelt. Sie klingt aber immer noch echter, als würde Randau seine Figuren auf Deutsch, Italienisch oder Englisch konversieren lassen. Blicke sagen mehr als tausend Worte, so war das schon in der Jungsteinzeit. Also spielen die Darsteller vor allem mit den Augen.

Beim Filmfest von Locarno ist "Der Mann aus dem Eis" erstmals aufgeführt worden. Ausgerechnet in Locarno! Dieser Ort mit seiner zauberhaften Piazza Grande ist umringt von Bergen, die felsig und schroff in die Höhe ragen wie im Ötzi-Film. Das passte. Und - so schade das für die Künstler war - es passte auch, dass es an diesem Premierenabend schüttete wie aus Kübeln. Trotzdem blieben ein paar hundert Zuschauer bis zum Schluss vor der riesigen Freiluft-Leinwand. Ein Film für Hartgesottene. Ein Abenteuer eben.

Jürgen Vogel wurde auf dem Roten Teppich gefragt, ob er sich nach den strapaziösen Dreharbeiten in der Natur ein Leben in der Jungsteinzeit vorstellen könnte. Naja, sagte er, er habe immerhin sehr gesund gelebt in der frischen Bergluft. Aber mit einem Dach überm Kopf und einer Schar freundlicher Kollegen kann das Neolithikum dann doch nicht mithalten.

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