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"Der geheime Roman des Monsieur Pick" im Kino:Vermächtnis des Pizzabäckers

Kinostart - 'Der geheime Roman des Monsieur Pick'

Kritiker Jean-Michel (Fabrice Luchini) auf Spurensuche.

(Foto: Neue Visionen)

Die französische Tragikomödie "Der geheime Roman des Monsieur Pick" von Rémi Bezançon.

Von Susan Vahabzadeh

Als Literaturpapst im Fernsehen ist Jean-Michel Rouche ein Ekel - gnadenlos, ein wenig überheblich und kein Freund übertriebener Höflichkeiten. Aber er ist ganz groß darin, die Welt in einem Satz zu erklären. Was ist das Problem mit Frankreich? Mehr Autoren als Leser. Das stimmt in vielerlei Hinsicht, nicht nur für Frankreich - lauter potenzielle Stars und viel zu wenig Publikum.

Rouche ist die zentrale Figur in "Der geheime Roman des Monsieur Pick". Der französische Regisseur Rémi Bezançon bringt gern die Tonfälle durcheinander: "C'est la vie - So sind wir, so ist das Leben" (2008) war eine Tragödie im Komödienkostüm, hier könnte man meinen, es gehe um Leben und Tod; "Monsieur Pick" ist aber ein vergnüglicher, manchmal richtig spannender Bücherkrimi. Der ganze Film funktioniert nach dem Agatha-Christie-Prinzip, nur mit Bonmots und unter Leseratten: Rouche mäkelt gern an allem herum, aber die neue literarische Sensation von Paris überfordert seine Fantasie - ein bewegender Bestseller, voller Verweise auf die großen Werke der russischen Literatur, geschrieben von einem verstorbenen bretonischen Pizzabäcker? Die junge Lektorin Daphné Despero (Alice Isaaz) will den Roman entdeckt haben, in einer geheimnisvollen Bibliothek der abgelehnten Manuskripte an der bretonischen Küste. Tolle Story. Rouche glaubt kein Wort.

Er fragt die Witwe und die Tochter des vermeintlichen Autors also vor laufenden Fernsehkameras spitz, wie der werte Verblichene das Schreiben, das Lesen nicht übersetzter russischer Literatur und das Pizzabacken unter einen Hut bekommen hat, und kann gar nicht verstehen, dass ihn sein Sender dafür rauswirft. Fabrice Luchini, der Rouche spielt, ist ein Meister der leichten Indignation, die hier häufig zum Einsatz kommt. Um einen letzten Rest Ehre zu retten, muss Rouche in die Bretagne fahren und den wahren Autor aufspüren. Die Bibliothek gibt es wirklich, aber es ist kein einziger Zeuge dafür aufzutreiben, dass Henri Pick jemals ein einziges Buch von Puschkin auch nur in der Hand gehalten hat.

Rouche ist auf den ersten Blick natürlich ein arroganter Pinsel, der einem Pizzabäcker das Schreiben nicht zutraut; auf den zweiten Blick ist er eben durch und durch Skeptiker: Das Leben liefert ständig den Stoff für große Romane, aber bei der Präsentation nimmt es nur selten Rücksicht auf die richtige Strategie fürs Marketing.

Le mystère Henri Pick - Regie: Rémi Bezançon. Drehbuch: Bezançon und Vanessa Portal, basierend auf dem Roman von David Foenkinos. Kamera: Antoine Monod. Mit: Fabrice Lucchini, Camille, Cottin, Alice Isaaz, Bastiern Boullion. Neue Visionen Filmverleih, 100 Minuten.

© SZ vom 27.12.2019

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