Der Film "Mein Führer" Heil mir selbst!

Eine verheerende Testvorführung, ein mosernder Hauptdarsteller: keine guten Voraussetzungen für einen Filmstart. Aber wie ist "Mein Führer" denn nun?

Von Jürgen Schmieder

Es gibt eine köstliche Szene in der Mitte des Films, da bittet Adolf Grünbaum seinen Arbeitgeber Adolf Hitler darum, sich umzuziehen. Wenig später steht Adolf Hitler, der Führer des Reichs, das 1000 Jahre dauern sollte, in einem senfgelbem Sportanzug da. Der Dress lappt über dem unförmigen Körper. Hitler merkt, dass er sich zum Kasper macht, aber er will sich nicht wehren.

Er kann sich nicht wehren. Der Krieg ist verloren, seine Untergebenen halten ihn für unzurechnungsfähig, er ist nur noch ein Maskottchen. Aber als solches hat er zu funktionieren. In fünf Tagen ist Neujahr '45, da muss der Führer kraftvoll und strahlend auftreten und die Menge auf den Endsieg einstimmen, ihnen Hoffnung geben.

Hoffnung, die Hitler selbst nicht mehr hat. Er ist ein gebrochener Mann, depressiv, bettnässend, impotent. Wie soll er da eine Rede halten, wie er es früher getan hat? Früher, ja früher, 1939, da war alles besser, erinnert sich Goebbels. Wie bringt man den Führer zu alter Stärke? Nur einer kann das: der Schauspiellehrer Adolf Grünbaum. Dass er Jude ist, stört Goebbels nicht, im Gegenteil: "Wir brauchen jemanden, der in unserem Führer seine größte Kraft entzünden kann - und diese Kraft ist sein Hass? Warum sollte ich ihm da jemanden reinschicken, den er liebt?"

Grünbaum wird also aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen nach Berlin geholt, um mit Hitler zu arbeiten. Ein Jude soll helfen, Hitlers Hasstiraden am Neujahrstag glaubhaft zu verkaufen. Eine absurde Idee, aus der sich noch absurdere Szenen entwickeln.

Die meisten haben mit Hitler zu tun, der als hilfloser Führer mit Vaterkomplex gezeichnet wird. Einmal spielt er mit einem Mini-Zerstörer in der Badewanne, ein anderes Mal muss er sich an seinen eigenen Wachen vorbeischleichen, um überhaupt hinaus zu dürfen aus der Reichskanzlei.

Grünbaum verzweifelt an seinem Auftrag, was für Goebbels Anlass zur Sorge hat: "Als Sie aus Sachsenhausen kamen, sahen Sie besser aus." Grünbaum will antworten: "Jaja, das Lagerleben..." Goebbels fällt ihm ins Wort: "...ist besser als sein Ruf."

So funktioniert die Komik dieses Films, der ab kommender Woche auf die Deutschen zukommt. Die Tragik wird keineswegs ausgeblendet, man erinnert sich umso stärker an sie, je mehr sie in die Komödie eingebettet sind. So sagt Goebbels zu Grünbaum: "Also das mit der Endlösung, das dürfen Sie nicht persönlich nehmen."

Und dann gibt es die Szene, in der Hitler - im senfgrünen Sportanzug - um Grünbein herumtänzelt: "Warum wehren Sie sich nicht? Warum wehrt sich der Jude nicht?" Grünbaum verliert die Nerven, er schlägt Hitler nieder. Doch anstatt eines Henkers bestellt der ausgeknockte zwei Tassen Kaffee.

Eine Karikatur, die berührt

Es sind diese absurden Momente, die diesen Film besonders machen. Helge Schneider schafft es, dass sein Hitler zwar der Lächerlichkeit preisgegeben wird, niemals jedoch durch plumpe Komik überrumpelt. Wenn er sich zum Ehepaar Grünbaum ins Bett zwängt, dann ist die Situation so tragisch, dass daraus Komik entstehen kann.

Regisseur Dani Levy hat eine Karikatur geschaffen. Keine, die den Zuschauer anspringt - wie es Walter Moers in seinem Comic "Ich hock' in meinem Bonker" tut. Sondern eine, die berührt, die einen zum Lachen bringt. Er überzeichnet die anderen Figuren - Goebbels, Himmler, Speer, Bormann - ebenfalls, so dass ein Gesamtwerk entsteht, das ein Schmunzeln, ja ein befreiendes Lachen auslöst.

Natürlich werden die Warner kommen, die Befürchter, die Vorsichtigen. Sie werden fragen: Darf man Hitler so zeigen? Ist es keine Verniedlichung? Die Antwort gibt der Film selbst. Am Anfang wird ein Zitat von Kurt Tucholsky eingeblendet: "Küsst die Faschisten, wo Ihr sie trefft!" Und am Ende schreien die Deutschen bei Hitlers Neujahrsrede: "Heil mir selbst!"

Filme wie "Mein Führer" können dazu beitragen.