Der doppelte Franz Xaver:Besser war's

Der doppelte Franz Xaver: Der Richter und sein Regisseur: Franz Xaver Kroetz (links) spielt in der Serie "Über Land" den Juristen Max Althammer, Franz Xaver Bogner hat ihm die Rolle auf den Leib geschrieben.

Der Richter und sein Regisseur: Franz Xaver Kroetz (links) spielt in der Serie "Über Land" den Juristen Max Althammer, Franz Xaver Bogner hat ihm die Rolle auf den Leib geschrieben.

(Foto: Stephan Rumpf)

Franz Xaver Kroetz und Franz Xaver Bogner über Bayern, übers Theater und ihre Serie "Über Land"

Interview von Susanne Hermanski

Vielleicht liegt es ja am Vornamen. Beide heißen sie Franz Xaver, der Kroetz und der Bogner. Beide sind sie Sturschädel und sich trotzdem einig, also erst ein bisserl "z'wider": "Nein, ich red' nicht über Bayern oder über was Gesellschaftliches. Ich red über nix als über die Rolle. Ich bin hier der Schauspieler", sagt der Kroetz. Im Verlauf des Gesprächs dann aber doch charmant: "Aber jetzt läuft's doch ganz gut, Franz", sagt der Bogner. In diesen Tagen läuft vor allem eines: ihre gemeinsame Fernsehserie "Über Land", deren erste drei Folgen als Pilot im Nachmittagsprogramm des ZDF ausgestrahlt werden. Ob es danach weitergeht, entscheidet die Publikumsresonanz. Die erste Folge lief an Silvester. 1,7 Millionen Menschen haben sie gesehen, das entspricht einem Marktanteil von achteinhalb Prozent und ist passabel. Die zweite Folge wird an Heilig Dreikönig um 13.15 Uhr ausgestrahlt.

Wie erklären Sie Bayern in einem Satz?

Franz Xaver Kroetz: Das geht nicht. Aber sonst fragen mich immer alle, was für mich Heimat ist, und darauf sage ich dann: Heimat ist dort, wo meine Kinder sind.

Franz Xaver Bogner: Ich kann Heimat eigentlich nicht erklären. Aber ich habe mal ein türkisches Sprichwort gehört: Heimat ist da, wo ich satt werde.

Was ist das für einer, der Richter, den Sie Kroetz auf den Leib schreiben wollten?

Bogner: Er ist ein Hasardeur, ganz anders als die Richter, die man sonst kennt, die sich ja oft als "Götter in Schwarz" sehen. Schon allein, dass ein Richter über Land fährt, von Gericht zu Gericht, einen marodierenden Richter, den gibt es ja eigentlich nicht. Bei Staatsanwälten existiert so etwas eher, aber mit ein bisschen Fantasie haben wir schon eine Lösung gefunden.

Kroetz: Er ist ein Mann in seiner Endlife-Crisis. Und ich spiele ihn, als wäre er ein Fan von "Kir Royal", der ein kleines bisserl den Baby Schimmerlos imitiert.

Der Richter hat eine Frau als Chefin und eine Fahrerin aus der ehemaligen DDR - aus Gründen der Political Correctness?

Bogner: Wenn ich über so was nachdenken würde beim Drehbuchschreiben, fiele mir kein Zeile mehr ein. Das entscheide ich alles intuitiv.

Kroetz: Aber fragen Sie ihn ruhig, wie ich meine Weiber in der Serie einsortieren kann. War da was zwischen mir und der einen oder der anderen? Oder geht da was? So etwas fragt man sich doch als Schauspieler. Wenn es also nach den drei Folgen weitergeht, will ich das wissen. Und dass es weitergeht, will ich unbedingt. Schließlich habe ich mir immer gesagt, wenn ich noch einmal als Schauspieler arbeite, dann kommen nur drei Bayern als Regisseure infrage: der Dietl, das geht nicht mehr, der Vilsmayr, der macht nur noch Bayern von oben mit der Hubschrauberkamera. Ja, oder der Bogner.

"Über Land" schlägt ein sehr gemäßigtes Tempo an - setzen Sie das bewusst gegen den Trend der Zeit?

Bogner: Das auch. Aber vor allem wollte ich nicht jede Pause mit Musik zukleben. Bei den Szenen im Gerichtssaal gibt es zum Beispiel gar keine Musik. Obwohl wieder Haindling für uns spielt. Ich mag allgemein diese ganze Übertreiberei nicht. Denn nur weil ich zwei Tarantino-Filme im Kino gesehen habe, mit diesen vielen Blutbädern, muss ich noch lang nicht wie eine Sau durch Bayern rumpeln in meiner Fernsehserie.

Kroetz: Für Schauspieler ist die aktuelle Entwicklung eh absurd. Die schnellen Schnitte, die Musik, die Bilder übernehmen die Emotionen, die der Zuschauer haben soll. Wir Schauspieler, deren Job es ist, die Gefühle zu vermitteln, sollten am besten nur noch die Gesichter hinhalten. "Spielen? Ach, was, lass mal, das machen wir nachher im Schneideraum."

Sie meinen also, früher war vieles besser. Das erinnert jetzt schon sehr an den Vorspann des "Königlich Bayerischen Amtsgerichts". War die alte BR-Kultserie des Autors Georg Lohmeier Vorbild für "Über Land"?

Aus dem Vorspann des „Königlich Bayerischen Amtsgerichts“

"Das Bier war noch dunkel, die Menschen war'n typisch, die Burschen schneidig, die Dirndl sittsam und die Honoratioren ein bisserl vornehm und ein bisserl leger. Es war halt noch vieles in Ordnung damals..."

Kroetz: Siehst Du, Franz, damit wird die Serie nun immer verglichen. . .

Bogner: Ach, was. Ich habe doch selber schon eine Gerichtsserie gedreht, "Café Meineid", rund 150 Folgen in 13 Jahren.

Kannten Sie Lohmeier persönlich?

Kroetz: Er war mal einen ganzen Tag bei mir zu Hause zu Besuch - mit seiner Krankenschwester, sage ich immer. Die war viel größer als er und hat ihn mit dem vollen Programm versorgt. Der Lohmeier hatte bei mir ein paar Tage vorher einfach angerufen und gesagt: "Ich möchte Dich kennenlernen". Das fand er interessant, er, der Kämpfer für die Wiedereinführung der Monarchie in Bayern, und so ein junger Kommunist, wie ich es damals war.

Bogner: Wir kannten uns auch, klar. "Die Überführung" war das Beste, was der Lohmeier je geschrieben hat, ein Fernsehspiel, an das sich heute nicht mehr viele erinnern. Da erzählt er von zwei Freunden, die beide als Junge vor Verdun gekämpft hatten, und wie später der eine die Leiche des anderen nach Altötting überführt. Toni Berger hat die Hauptrolle gespielt. Über die Besetzung mit dem feinsinnigen Hans Baur als Richter Stierhammer im Königlich Bayerischen Amtsgericht war Lohmeier übrigens immer kreuzunglücklich. Den Baur hatte ihm der Sender aufgenötigt. Ihm schwebte ein bodenständiger Sanguiniker vor, eher wie der Gustl Bayrhammer.

Bayrhammer sprach den Vorspann. Sehen Sie heute noch ähnliche bayerische Charakterköpfe unter den Schauspielern?

Kroetz: Mit dem Baur habe ich mal im Marstall gespielt. Der war wirklich ein g'spinnerter Hypochonder. Aber toll. Doch die Besten sind alle weg: der Hans Stadtmüller, der Gustl Bayrhammer. Und Du, Franz, bist der Letzte, mit dem ich mich noch über diese lieben Toten unterhalten kann.

Bogner: Mein "Café Meineid" war eine Art Auffangbecken für tolle Schauspieler. Die Leute, die vom Theater kamen, waren da eine Klasse für sich. Fernsehschauspieler sind neben ihnen oft einfach eingebrochen. Wenn da einer sieben oder acht Minuten Text am Stück sprechen musste, war er raus und ratlos. Aber solche wie Jörg Hube, Rüdiger Hacker oder Toni Berger, die konnten sowas.

Gehen Sie selbst gelegentlich ins Theater, vielleicht sogar ins Volkstheater?

Bogner: Ich geh so gut wie nie ins Theater. Ich bin eher ein Filmmann.

Kroetz: Früher bin ich noch öfter ins Residenztheater gegangen. Am Volkstheater geht mir auf den Sack, dass man dort nur noch die jungen Leute anspricht. Das kann für die ja gut und richtig sein. Aber ich will diese Light-Versionen von Stücken nicht sehen.

© SZ vom 02.01.2018
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB