Süddeutsche Zeitung

Der Countdown (XV):Brexit-Populisten nutzen jede Gelegenheit zum politischen Zündeln

In ihrer Kompromisslosigkeit lassen sie jetzt auch das Londoner Attentat nicht aus. Verlieren können sie dabei nicht.

Unter dem Eindruck des Anschlags in Westminster hielt Theresa May am Mittwoch eine wirklich gute Rede, in der sie beteuerte: "Wir werden es dem Hass nie erlauben, uns zu entzweien." Die rechten Worte zur rechten Zeit; und doch stellt sich die Wirklichkeit etwas komplizierter dar. Tatsächlich scheint eine Bedrohung von außen in diesem gespaltenen Land der letzte verbliebene Beweggrund für Menschen fast aller Parteien zu sein, zusammenzurücken.

Dass es selbst da Ausnahmen gibt, beweist Arron Banks. Er ist Unternehmer, war lange der wichtigste Geldgeber der UK Independence Party sowie der unabhängig finanzierten "Leave.EU"-Brexit-Kampagne. Banks, er posierte mit Nigel Farage und Donald Trump nach dessen Wahlsieg vor der berüchtigten goldenen Tür, hat gerade eine Breitbart-ähnliche News-Website gegründet und gefällt sich in der Rolle des hemdsärmeligen politischen Querdenkers.

"Ich glaube, mir ist noch nie so übel gewesen."

Arron Banks' erste Reaktion auf den Anschlag war ein Frontalangriff auf die Premierministerin per Twitter: "Teresa May war sechs Jahre lange Innenministerin, als mehr als eine Million Illegale in unser Land gelassen wurden. Ich glaube, mir ist noch nie so übel gewesen." Schwer zu sagen, ob die inkorrekte Schreibung ihres Vornamens Rechtschreibschwäche oder Böswilligkeit war. Woran der Tweet keinen Zweifel lässt, ist die Kompromisslosigkeit, mit der die britischen Brexit-Populisten jede Gelegenheit zum politischen Zündeln nutzen. Der Tod Unschuldiger kommt ihnen gerade recht, um ihre destabilisierende Agenda voranzutreiben. Arron Banks kann dabei gar nicht verlieren: Mit der Empörung, die er bewusst entfacht, punktet er bei der eigenen Anhängerschaft umso mehr.

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SZ vom 24.03.2017/smb
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