Streit bei Schriftstellervereinigung:Yücel tritt als PEN-Präsident zurück

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Streit bei Schriftstellervereinigung: Hat einen Abwahlantrag überstanden, tritt aber dennoch zurück: PEN-Präsident Deniz Yücel

Hat einen Abwahlantrag überstanden, tritt aber dennoch zurück: PEN-Präsident Deniz Yücel

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Gleich zu Beginn der PEN-Tagung gibt es Buhrufe und Beleidigungen, die Stimmung ist äußerst aufgeheizt. "Ich habe es nicht nötig - take it or leave it, PEN", sagt Yücel - und gibt am Ende auf.

Der Journalist Deniz Yücel ist überraschend als Präsident des PEN-Zentrums Deutschland zurückgetreten. Zugleich kündigte er seinen Austritt aus der Schriftstellervereinigung an. "Ich will keine Galionsfigur für diese Bratwurstbude sein", sagte der 48-Jährige im Anschluss der Deutschen Presse-Agentur. "Der Verein mit den großen Namen ist Geschichte." Zuvor war auf der Mitgliederversammlung in Gotha ein Antrag zur Abwahl Yücels knapp abgelehnt worden.

Von 161 abgegebenen gültigen Stimmen votierten 75 gegen die Abberufung des Präsidenten. Das Ergebnis fiel damit äußerst knapp aus: 73 Mitglieder hatten für seine Abwahl gestimmt. Das jetzige Präsidium mit dem 48-jährigen Yücel an der Spitze war erst im vergangenen Oktober gewählt worden und hatte zuletzt mit heftigem Streit und Machtkämpfen für Schlagzeilen gesorgt. Der Führungsstil der Spitzenriege führte zu großen Verwerfungen in den Reihen der Mitglieder, die in Gotha in einer äußerst aufgeheizten Debatte zutage traten.

Bei den Konflikten geht es im Kern um Beleidigungen, Mobbingvorwürfe und den Umgangston. Der Abwahlantrag gegen den PEN-Präsidenten war ein Novum in der jüngeren Geschichte der Vereinigung. Yücel hatte in Gotha zu den Querelen gesagt: "Ich habe es nicht nötig - take it or leave it, PEN."

Die Vereinigung sah er trotz des internen Streits gut aufgestellt. Dafür spreche auch das gewachsene Interesse der Öffentlichkeit an der Schriftstellervereinigung. Es gehe bei den Querelen nicht um einen Generationenkonflikt, betonte Yücel, der in Gotha auch öffentlich machte, zu Jahresbeginn an einer Depression gelitten zu haben. Yücel hatte sich gleich zum Auftakt des Treffens mit Buh-Rufen und Beleidigungen konfrontiert gesehen. Das Präsidium, das PEN zurück auf die Höhe der Zeit führen wolle, habe gleich mehrere latente Probleme geerbt, hieß es in seinem Bericht. Die schwelenden Konflikte und Spannungen wären, wenn nicht in diesem Präsidium, dann in einem anderen ausgebrochen.

Der Journalist, der wegen angeblicher Terrorpropaganda ein Jahr in türkischer Untersuchungshaft saß, räumte aber auch Fehler ein. Mitglieder hatten zuvor ihre Sorge über die Grabenkämpfe geäußert, die das Image des PEN-Zentrums nachhaltig beschädigten. Kassenprüfer Klaus Wettig schlug deshalb eine Mediation vor. Zugleich appellierten Mitglieder, wieder zu Sachlichkeit zurückzukehren. Eine Abberufung von Yücel wäre einer Niederlage und einer Blamage des gesamten PEN gleichgekommen, sagten Unterstützer des Präsidenten.

Das PEN-Zentrum Deutschland hat nach eigenen Angaben 770 Mitglieder und ist eine der weltweit mehr als 140 Schriftstellervereinigungen, die im internationalen PEN vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists und Novelists.

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