Debatte um Kardinal Meisner Meisner äußert Bedauern

Zunächst schwieg Kardinal Meisner zur Kritik an seiner Rede von einer "entarteten Kultur". Jetzt äußerte er sich doch: Das Ganze sei ein Missverständnis.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die Aufregung um seine Äußerung über "entartete Kultur" als Missverständnis bezeichnet und bedauert. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung erklärt Meisner, für die Substanz seiner Aussage wäre der "von den Nationalsozialisten missbrauchte Begriff der 'Entartung'" nicht notwendig gewesen.

Hat mit seiner Äußerung, dass dort, wo die Kultur vom Kultus abgekoppelt werde, die Kultur entarte, lebhafte Diskussionen ausgelöst: Kardinal Meisner.

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Er habe mit der Verwendung des Begriffs "gegen diese und alle Formen totalitärer Kulturen" gesprochen, "um sie mit ihrem eigenen Vokabular zu kennzeichnen und zu entlarven: Kultus und Kultur - im Sinne von Gottesverehrung und Gesellschaft - nehmen Schaden, wenn Gott nicht mehr in der Mitte steht", erklärte Meisner.

Unterdessen ging die Diskussion um Meisners Auffassungen zu Kirche und Kunst weiter. Der Kardinal wolle eine Kunst, die "eindeutig im Dienst der christlichen Verkündigung steht", sagte der kulturpolitische Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, den Westfälischen Nachrichten.

Damit stehe er auch unter seinen bischöflichen Amtskollegen allein. Es sei aber unfair, Meisner "wegen eines verunglückten Wortes in die Ecke Rechtsradikaler zu stellen".

Zustimmung erhielt der Kölner Erzbischof durch mehrere als konservativ geltende katholische Gruppierungen. Man sei Meisner dankbar, "dass er in dieser schnell vergesslichen Zeit auf die Gefahren der Gottvergessenheit hinweist", heißt es in einer in Kaufering verbreiteten Erklärung des Forums Deutscher Katholiken, der Aktionsgemeinschaft katholischer Laien und Priester, der Bruderschaft Petrus und Paulus sowie der "Jugend 2000". Es sei inakzeptabel, den Kardinal dafür als "geistigen Brandstifter" zu bezeichnen.

Der Kardinal hatte für seine Äußerungen bei der Einweihung des neuen Kölner Diözesanmuseums heftige Kritik einstecken müssen.

Auch katholische Bischöfe bezeichneten die Wortwahl als unangemessen. Der katholische Rottenburger Bischof Gebhard Fürst sagte, er könne es Kunstschaffenden nicht verdenken, wenn sie sich diffamiert fühlten. Er äußerte aber Verständnis für Meisners Gesamtanliegen bei der Beschreibung des Verhältnisses zwischen Kultur und Kunst.

Der Kardinal hatte in einer Predigt zur Eröffnung des neuen Diözesanmuseums Kolumba gesagt: "Vergessen wir nicht, dass es einen unaufgebbaren Zusammenhang zwischen Kultur und Kult gibt. Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte."

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Kölner und konservativ: Kardinal Meisner