Debatte über Digitalisierung China zwang die USA, die eigene Hegemonie sichtbar zu machen

Trotzdem diente diese Ideologie - die Ideologie des Internets - US-Interessen und erlaubte es Washington, Zeit zu gewinnen und die größten Technologiefirmen der Welt zu entwickeln. 2018 neigt sich diese Ideologie ihrem Ende entgegen.

Das heutige "globale village" ist sehr viel weniger global. Man muss sich nur die digitalen Plattformen anschauen, die durch ihre Fähigkeit, überall zu florieren, der Höhepunkt der amerikanischen Technologie-Hegemonie sein sollten. Der Plan funktionierte; bis das Silicon Valley herausfand, dass Amerikas engste Verbündete keine Skrupel hatten, Akteure zu finanzieren, die sich der globalen Expansion der US-Tech-Giganten entgegenstellen.

Uber ist ein Paradebeispiel. Seine globalen Ambitionen wurden eingedämmt durch Ola in Indien, Didi in China, 99 in Brasilien, Grab in Südostasien und Yandex.Taxi in Russland. Yandex ausgenommen, wurden all diese Herausforderer - inklusive Uber selbst - durch Japans Softbank finanziert. Letztendlich wurden sie in deren "Vision Fund" überführt, der Geld von Amerikas engsten Verbündeten, von Saudi-Arabien bis zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, zusammenlegt. Als Uber in astronomischer Geschwindigkeit Geld verlor, kapitulierte das Unternehmen.

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Nach der Ära Trump wird den USA nur eine Option bleiben

Chinas Aufstieg stellte viele andere Mythen hinter Amerikas Technologie-Hegemonie infrage. Zunächst stritt man erbittert um die einst neutralen Standards, wie das 5G-Netz. Peking drängte auf Regeln, die seinen eigenen Vorkämpfern zugutekommen sollten. Die globalen Ambitionen von Huawei und ZTE sowie das gewaltige Wachstum von Tencent, Baidu und Alibaba zwangen Washington, das Undenkbare zu tun: ökonomische Macht auszuüben und so die eigene Hegemonie sichtbar zu machen. Trumps Veto gegen die Fusion von Qualcomm und Broadcom, die fast tödliche Zerrüttung von ZTE durch die Blockade der amerikanischen Lieferanten, das kontroverse Memo des Weißen Hauses zur Nationalisierung von Amerikas 5G-Netzwerk: das alles konnte man natürlich als Bestätigung von Washingtons andauernder Überlegenheit deuten.

Wer verteidigt die Interessen des globalen Kapitalismus?

Seiner vielen Mythen beraubt, wird es für Amerika jedoch nicht einfach sein, andere Länder davon zu überzeugen, ihre Industrien von US-Firmen ersetzen zu lassen, die Entwicklung eigener KI-Fähigkeiten aufzugeben, niemals die Vorschriften des freien Datenflusses zu hinterfragen, die amerikanische Unterhändler sorgsam in wichtige Handelsabkommen eingefügt haben. Bedenkt man, dass China das genaue Gegenteil getan hat und erfolgreich war: Wer würde bereitwillig einer US-Führung folgen?

Die Grenzen der amerikanischen Technologie-Hegemonie waren für Obama offensichtlich: Er bestärkte digitale Mythen wie die "Internetfreiheit" und versuchte gleichzeitig, Chinas Expansion im Rahmen des von den USA geführten globalen Handels einzudämmen.

Trump beendete diese Mythologie. Langfristig beschädigte er auch die technologische Vorherrschaft, indem er Forschungsbudgets strich, Immigration begrenzte (die so wichtig für die Tech-Industrie ist) und sogar die unmittelbare Demontage von Chinas ZTE verhinderte.

Nach der Ära Trump wird den USA nur eine Option bleiben: weiterhin die globale Wirtschaftsordnung anzufechten, die seine eigenen globalen Ambitionen behindert, und umfassende Anti-Peking-Strategien zu entwickeln, um seine anderen Verbündeten dafür zu bestrafen, dass sie sich auf Chinas Tech-Giganten verlassen.

Wenn der Kalte Krieg der Technologie ernsthaft ausbricht, wird es nicht so klar sein, welche Seite die Interessen des globalen Kapitalismus verteidigt.

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Aus dem Englischen von Jonas Lages