Ein extremerer Gegensatz als der zwischen Yorkshire und Kalifornien lässt sich kaum denken, und doch waren diese beiden Orte die wichtigsten Fixpunkte im Leben David Hockneys. Er sei als Junge mit seinem Vater so oft ins Kino gegangen, sagte der Künstler einmal, dass er immer das Gefühl gehabt habe, in Bradford und Hollywood zugleich aufgewachsen zu sein. Sein Umzug nach Los Angeles 1964 war in mehr als einer Hinsicht folgerichtig: Die Stadt galt damals nicht nur als besonders liberal, es fehlte ihr nach Hockneys Auffassung auch ein zeitgenössischer Piranesi, der ihrer Architektur gerecht wurde. Die Künstlichkeit der manikürten, von Rasensprengern am Leben gehaltenen Grünflächen und der chlorblauen Pools, in denen sich nackte Jünglinge aalten, kam der Faszination entgegen, die Hockney für Oberflächen hegte. In L.A. traf diese Faszination auf eine Lebensrealität, in der Oberflächlichkeit sehr viel zählte.
NachrufEin britischer Nationalschatz
Lesezeit: 6 Min.

David Hockney war für sein Heimatland mehr als ein hochverehrter Künstler. Seine besondere Ausstrahlung wurzelte in der Art, wie er Bodenständigkeit, Glamour, Grenzüberschreitung und technische Perfektion miteinander verband. Nun ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.
Von Alexander Menden
