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David Cameron und The Smiths:Ein reizender Mann

Der britische Premierminister David Cameron betont gerne seine Begeisterung für die längst auseinandergegangene Band "The Smiths". Doch diese Liebe wird verschmäht.

Thomas Steinfeld

Der britische Premierminister David Cameron erklärt gern, ein Liebhaber der Popgruppe The Smiths und ihrer "düsteren" Musik zu sein. In seinem Bekenntnis ging er im Jahr 2008 sogar so weit, während einer Tour durch den englischen Nordwesten den Salford Lads Club zu besuchen - vor dem Backsteinbau hatten sich The Smiths im Jahr 1986 für ihr Album "The Queen is Dead" fotografieren lassen.

JOHNNY MARR DEBÜTIERT ALS SÄNGER

"David Cameron, hören Sie auf zu sagen, dass Sie die Smiths mögen": Bei Johnny Marr, dem ehemaligen Gitarristen der Smiths, stößt die Zuneigung seines konservativen Premierministers auf wenig Gegenliebe.

(Foto: dpa)

Diese Bild wird in der National Portait Gallery ausgestellt. Außerdem figuriert der Club im Video zum Song "I Started Something I Couldn't Finish". David Cameron wurde damals durch Demonstranten der Labour Party daran gehindert, das Foto nachzustellen - ein Versäumnis, das er später ausglich: Das Bild hängt heute in seinem Arbeitszimmer im Parlament - vielleicht als Ausdruck seiner Verbundenheit mit der Musik der Smiths, der oft eine Nähe zum Konservativismus nachgesagt wurde, vor allem aber, um zu zeigen, wie sehr der britische Politiker ein Teil der populären Kultur ist und diese von ihm.

Vor einigen Tagen schickte indessen Johnny Marr, der Gitarrist der längst auseinandergegangenen Band, eine Botschaft an seine Anhänger: "David Cameron, stop saying that you like the Smiths, no you don't. I forbid you to like it." (David Cameron, hören Sie auf zu sagen, Sie mögen die Smiths. Nein, Sie mögen sie nicht. Ich verbiete ihnen, sie zu mögen." Kurz darauf meldete sich Morrissey, der Sänger der Gruppe, in derselben Sache: "Ich möchte, wenn es mir erlaubt ist, Johnny Marr meine Unterstützung anbieten." Der Sänger, der seit 1987 solo arbeitet, fährt fort: "Auch wenn David Cameron einer engen und weitreichenden Verbundenheit mit der Musik der Smiths Ausdruck verlieh, möchte ich gern erklären, dass sich Johnny zu Recht nicht geschmeichelt sieht."

Die Auseinandersetzung zwischen den Musikern und David Cameron geht nun so weit, dass Kerry McCarthy, Abgeordnete der Labour Party, anlässlich der Debatte im Unterhaus über die Erhöhung der Studiengebühren in Großbritannien erklärte: "Als jemand, der erklärt, ein eifriger Fan von The Smiths zu sein, wird es den Premierminister gewiss irritieren zu erfahren, dass sowohl Johnny Marr als auch Morrissey ihm untersagt haben, sie zu mögen.

The Smiths sind, selbstverständlich, die archetypische Studentenband. Falls er die Abstimmung morgen gewinnt, welche Songs, denkt er, werden die Studenten dann hören: 'Miserable Lie' (Elende Lüge), 'I Don't Owe Anything' (Ich schulde euch nichts) oder 'Heaven Knows I'm Miserable Now' (Der Himmel weiß, dass es mir elend geht). Vor großem Gelächter des Parlaments antwortete David Cameron: "Ich erwarte, dass ich, zeigte ich mich den Studenten, nicht mit 'The Charming Man' empfangen werden würde." Die Abstimmung gewann er.

© SZ vom 13.12.2010/kar
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